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Propheten müssen manchmal laut sein! Prophetie und Kritik

Veröffentlichung:1.1.2014

Der Fachartikel ist im Heft ru-heute 01/2014 unter dem Titel „Propheten müssen manchmal laut sein!“ enthalten und umfasst die Seiten 24 bis 27, also 4 Seiten. Er erklärt Prophetie als eine Form religiöser Rede, die aus der Bindung an Gottes Botschaft entsteht, Irritation erzeugt und deshalb häufig Widerstand auslöst. Ausgangspunkt ist Papst Franziskus, dessen Stil und Kritik im Schreiben Evangelii gaudium als Beispiel aktueller prophetischer Mahnrede gedeutet werden. Theologisch behandelt der Artikel vor allem die Kriterien echter Prophetie, die Einheit von Gotteserkenntnis und Praxis, Kritik an religiösen und gesellschaftlichen Systemen, Götzenkritik sowie die Frage, wie Kirche heute die Zeichen der Zeit im Licht des Evangeliums deuten kann.

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Der Artikel setzt bei der Beobachtung an, dass Propheten durch klare und manchmal harte Rede Irritation auslösen und dafür oft Kritik oder Verfolgung ernten. Dies ist in der Bibel an Gestalten wie Amos oder Hosea sichtbar. Zugleich wird Prophetie nicht als vergangenes Phänomen verstanden, sondern als gegenwärtige Wirklichkeit in der Kirche. Als Beispiel dient Papst Franziskus. Er bezieht sich ausdrücklich auf Prophetie und spricht in einem Ton der eher einer Mahnrede ähnelt als dem gewohnten Stil kirchlicher Verlautbarungen. Von dort aus werden Charakter und Wirkweise prophetischer Rede erläutert und anschließend nach biblischen Grundlagen und dem theologischen Fundament prophetischer Rede heute gefragt.

Papst Franziskus beschreibt Ordensleute als besonders berufen Propheten zu sein. Prophetie bedeutet für ihn nicht Opposition gegen die Hierarchie, sondern ein positiver Vorschlag der zugleich Lärm macht, weil Prophetie Sauerteig ist und den Geist des Evangeliums verkündet. Der Artikel beobachtet, dass Franziskus selbst in seinen Texten und Gesten prophetisch wirkt. Seine Sprache ist persönlich biblisch geprägt und weicht von üblichen Konventionen ab. Sie findet Resonanz, provoziert aber auch. Besonders deutlich wird dies im Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium, das die Kirche zur Verkündigung der Freude des Evangeliums in der Gegenwart drängt und dabei die Kirche ebenso kritisiert wie gesellschaftliche Strukturen.

Im Blick auf die Kirche wirbt Franziskus für eine arme Kirche für die Armen und für eine Kirche die hinausgeht und lieber verletzt und beschmutzt ist als in Selbstgenügsamkeit zu erstarren. Er ruft zu neuen Beziehungen auf die aus Jesus Christus kommen, zu Begegnung mit dem Anderen und zu einer kontemplativen Brüderlichkeit in der man Christus im Nächsten entdeckt. Daraus folgt eine scharfe Kritik an Klerikalismus und an kirchlicher Selbstbeschäftigung. Franziskus warnt vor spiritueller Weltlichkeit, vor einer Religiosität des Anscheins und vor Korruption die sich mit dem Schein des Guten tarnt. Er kritisiert eine kirchliche Selbstinszenierung die Räume beherrschen will, aber das wirkliche Interesse an Christus und den Menschen verliert. So wird die Forderung sichtbar, dass Evangelisierung nicht aus Selbsterhalt wächst, sondern aus gelebter Beziehung und aus realer Nähe zu Menschen.

Im Blick auf die Gesellschaft übt Franziskus Götzenkritik. Er weist auf Angst Verzweiflung Gewalt Ungleichheit und Ausschluss hin und kritisiert Auswüchse einer Wirtschaftsweise die menschliches Leben missachtet. Sein Nein richtet sich gegen eine Wirtschaft der Ausschließung und gegen die Vergötzung des Geldes. Das Problem ist nicht Wirtschaft an sich, sondern ein naives Vertrauen in die Güte der Mächtigen und in vergöttlichte Mechanismen eines Systems. Entscheidend ist die verdrehte Ordnung in der Dinge über Menschen gestellt werden und Ausgeschlossene wie Abfall behandelt werden. Prophetische Kritik entlarvt solche Verkehrungen als Götzendienst, weil sie letztlich Gott und den Menschen verrät.

Diese Kritik wird theologisch begründet. Sie entspringt der biblischen Botschaft von Gottes Befreiung der Armen und der radikalen Solidarität Gottes mit den Menschen in der Menschwerdung Jesu. Daraus folgt der Auftrag der Kirche die Zeichen der Zeit zu deuten und die Aktualität der Gottesbotschaft praktisch einzulösen. Prophetisches Reden erinnert an diesen Zusammenhang und ruft die Gewissen derjenigen an die sich zu Gottes Verheißung bekennen.

Anhand der biblischen Prophetie werden Kriterien verdeutlicht. Propheten stehen im Auftrag Gottes das Volk und seine Verantwortlichen in der Bundestreue zu halten. Sie kritisieren eine Praxis die dem Bund widerspricht, weil kultische und soziale Wirklichkeit dem Bekenntnis entgegenlaufen. Liturgie und Bekenntnis müssen mit Gotteserkenntnis und mit einer Praxis übereinstimmen die Befreiung und Leben in Fülle erfahrbar macht. Sonst bleibt Verkündigung bloßes Reden ohne Glaubwürdigkeit.

Besonders Hosea zeigt die theologische Tiefe dieser Kritik. Im Hoseabuch wird Gottes Klage über Israel beschrieben und es wird das Fehlen von Treue Liebe und Gotteserkenntnis mit sozialer Gewalt verbunden. Gotteserkenntnis ist keine Theorie, sondern zeigt sich im gerechten Leben, in Güte und Solidarität. Daher verrät die gesellschaftliche Praxis wie es um den Glauben steht. Hosea richtet seine Anklage zudem gegen die religiösen Amtsträger selbst. Priester und Propheten verwerfen Erkenntnis und Weisung und profitieren sogar von der Sünde des Volkes. Damit wird prophetische Kritik zu einer Kritik des religiösen Systems. Sie deckt auf wie religiöse Institutionen selbst zum Hindernis für Gotteserkenntnis werden können und so eine Glaubwürdigkeitskrise auslösen oder verstärken.

Von hier aus werden Merkmale prophetischer Rede in der Gegenwart sichtbar. Prophetische Kritik kommt von innen, sie setzt eine gemeinsame Grundlage und Sprache voraus und richtet sich zuerst an die eigene Gemeinschaft. Sie ist parteilich im Sinn des Evangeliums, weil sie sich von Machtmissbrauch distanziert und Partei für die Leidenden ergreift. Darum ist sie auch unbequem und stößt innerhalb der eigenen Gemeinschaft auf Widerstand. Zugleich steht echte Prophetie typischerweise am Rand der Macht. Der Artikel betont dass es ungewöhnlich ist wenn ein Kirchenführer selbst zum Kritiker der eigenen Institution wird. Franziskus wird als jemand beschrieben der von der Peripherie kommt und durch Gesten wie den Verzicht auf Zeremoniell einen neuen Stil verkörpert. Gerade die Übereinstimmung von Wort und Auftreten schafft Aufmerksamkeit. Doch sobald Prophetie die Legitimation von Machthabenden oder Systemen infrage stellt folgen Delegitimation Abwehr und Versuch die prophetische Stimme zum Schweigen zu bringen.

Schließlich wird Prophetie als Unterscheidung der Geister beschrieben. Sie stört gerade weil sie den elementaren Zusammenhang von Glaubensbekenntnis und Glaubenspraxis einfordert. Gottes Botschaft darf nicht verwaltet oder museal bewahrt werden, sie muss gelebt werden. Prophetische Rede verpflichtet diejenigen die sich zu Gottes Verheißung bekennen zu einer Praxis die das Bekenntnis bewahrheitet. In dieser Spannung zeigt sich das Prophetische als Herausforderung für Kirche und Gesellschaft.

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