Der Artikel stellt die Auseinandersetzung des Athanasius von Alexandrien mit einer Gruppe dar, die den Heiligen Geist nicht als Gott, sondern als Geschöpf verstand. Im vierten Jahrhundert war die Theologie des Heiligen Geistes noch nicht klar ausgearbeitet. Nach den Auseinandersetzungen um die Gottheit des Sohnes Gottes, die auf dem Konzil von Nizäa entschieden wurden, entstand eine ähnliche Diskussion über den ontologischen Status des Heiligen Geistes. Bestimmte Gruppen, später Pneumatomachen genannt, bestritten seine Göttlichkeit.
Athanasius begegnete einer solchen Gruppierung in Ägypten, die er polemisch Tropiker nennt. Diese beriefen sich ausschließlich auf einzelne Bibelstellen und folgerten daraus, dass der Heilige Geist erschaffen sei oder sogar zu den Engeln gehöre. Ihr Denken war letztlich binitarisch, da sie nur Vater und Sohn als göttlich anerkannten und den Geist der Seite der Geschöpfe zuordneten.
In seinen Briefen an Serapion entwickelt Athanasius zwei zentrale Argumentationslinien. Das erste Argument ist ontologischer Natur. Er betont die Einheit der Dreifaltigkeit. Gott ist eine unteilbare Wirklichkeit. In dieser göttlichen Dreiheit können nicht zugleich Schöpfer und Geschöpf stehen. Da der Heilige Geist im Taufbefehl gemeinsam mit Vater und Sohn genannt wird, muss er derselben göttlichen Wirklichkeit angehören. Wäre er ein Geschöpf, würde das Wesen der Trinität zerstört. Für Athanasius ist daher entscheidend, dass der Geist nicht zur Schöpfung gehört, sondern der Gottheit eigen ist.
Das zweite Argument ist soteriologisch. Athanasius fragt nach der Bedeutung des Geistes für die Erlösung. Der Geist ist das Medium, durch das der Vater durch den Logos die Schöpfung heiligt und erneuert. Durch ihn werden die Menschen vergöttlicht, das heißt sie erhalten Anteil an der göttlichen Natur und werden in die Gemeinschaft mit Gott aufgenommen. Diese Vergöttlichung hebt nicht den Unterschied zwischen Gott und Mensch auf, sondern stellt die ursprüngliche Gottesbeziehung wieder her und führt zur Unsterblichkeit in der Vollendung.
Wenn jedoch der Heilige Geist selbst ein Geschöpf wäre, könnte er die Menschen nicht mit Gott verbinden. Ein Geschöpf kann nicht vermitteln, was es selbst nicht besitzt. Nur Gott selbst kann Menschen mit Gott vereinen. Daher folgt aus der Erlösungserfahrung der Kirche die Göttlichkeit des Geistes. Durch den Geist wohnen Vater und Sohn in den Gläubigen, und sie werden zum Tempel Gottes.
Der Artikel zeigt schließlich die Bedeutung dieser Argumentation für heutige Theologie. Erstens wird deutlich, dass Athanasius die Schrift systematisch auslegt und ihr implizites theologisches Potenzial entfaltet. Er begründet die Göttlichkeit des Geistes nicht allein mit einem späteren Konzilsbeschluss wie dem Konzil von Konstantinopel, sondern aus dem inneren Zusammenhang von Gottes Handeln. Zweitens integriert er das Wirken des Heiligen Geistes konsequent in die Erlösungslehre. Erlösung ist für ihn von Anfang an trinitarisch gedacht. Der Vater ist Quelle aller Gnade, der Sohn wirkt in der Inkarnation und der Geist vermittelt diese Gnade wirksam an die Menschen.
Damit bietet Athanasius einen Ansatz, der auch gegenwärtig helfen kann, Pneumatologie und Soteriologie enger miteinander zu verbinden und das Wirken des Heiligen Geistes als unverzichtbaren Bestandteil des christlichen Erlösungsglaubens zu verstehen.