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Ramadan: Religionspädagoge Mouhanad Khorchide warnt vor Fasten-Druck an Schulen

Veröffentlichung:1.1.1970

Der Audio-Beitrag aus der Deutschlandfunk-Reihe „Tag für Tag“ (Christian Röther, 19. Februar 2026) thematisiert den Ramadan im schulischen Kontext. Im Mittelpunkt steht die Warnung des islamischen Religionspädagogen Mouhanad Khorchide vor sozialem Fasten-Druck unter Schüler*innen. Der Beitrag beschreibt, wie religiöse Praxis im Schulalltag zu einem Gruppensignal werden kann und dadurch Ausgrenzung entstehen kann, wenn einzelne nicht fasten.

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Der Beitrag nimmt die Situation an Schulen während des Ramadan in den Blick und fokussiert auf Dynamiken in Peer-Gruppen. Khorchide beschreibt, dass Fasten bei einigen Jugendlichen nicht nur als religiöse Praxis verstanden wird, sondern als sichtbarer Beweis von Durchhaltevermögen und Stärke, teils verbunden mit Vorstellungen von Männlichkeit. Daraus könne sich ein sozialer Druck entwickeln, der Mitschüler*innen trifft, die nicht fasten wollen oder nicht fasten können. Der Beitrag arbeitet heraus, dass es in solchen Situationen zu abwertenden Kommentaren, moralischer Bewertung und im Extrem zu Mobbing kommen kann. Im Kern wird die Gefahr benannt, dass Jugendliche eine Art informelle Kontrolle über das religiöse Verhalten anderer ausüben und damit die persönliche Gewissensentscheidung verdrängen. Der Beitrag ordnet das Thema in einen größeren Ramadan-Kontext ein, in dem neben Gemeinschaft und religiöser Praxis auch gesellschaftliche Sichtbarkeit und Spannungen im öffentlichen Raum eine Rolle spielen.


Für die professionelle Perspektive ist an diesem Beitrag besonders aufschlussreich, dass er religiöse Praxis nicht isoliert religiös deutet, sondern als Teil jugendlicher Identitätsarbeit in sozialen Gruppen sichtbar macht. Wenn Fasten zu einem Marker von Zugehörigkeit wird, kann es sich von seiner spirituellen Intention lösen und in performative Religiosität kippen: Der äußere Vollzug wird zum Beweis „richtiger“ Religiosität und damit zum Maßstab, an dem andere gemessen werden. Pädagogisch relevant ist dabei weniger die Frage, ob Ramadan-Fasten „gut“ oder „schlecht“ ist, sondern wie Schulen mit Normdruck umgehen, der religiös aufgeladen ist. Lehrkräfte brauchen dafür eine doppelte Haltung: einerseits Anerkennung religiöser Praxis und der Bedeutung von Ramadan als Zeit von Spiritualität, Gemeinschaft, Achtsamkeit und Solidarität; andererseits klare Grenzziehung gegenüber Beschämung, Abwertung und sozialer Kontrolle. Gerade weil religiöse Praxis persönlich ist, muss Schule deutlich machen, dass Gewissensentscheidungen nicht von Mitschüler*innen überwacht oder bewertet werden dürfen. Für die Einordnung hilft zudem religionskundliches Grundwissen: Fasten ist im Islam an Bedingungen geknüpft, und es gibt anerkannte Gründe, nicht zu fasten, etwa gesundheitliche Belastungen; außerdem spielt Reife eine Rolle, sodass Kinder und jüngere Jugendliche häufig in einem Lern- und Übungsprozess stehen, der nicht mit moralischer Härte begleitet werden sollte. Der Beitrag erinnert damit indirekt an ein zentrales Ziel religiöser Bildung: Religiosität so zu verstehen, dass sie Freiheit, Verantwortung und Barmherzigkeit stärkt, statt Druck, Angst und Ausgrenzung zu produzieren. In der Fortbildung kann der Beitrag als Anlass dienen, das eigene professionelles Handeln zu reflektieren: Woran erkennen wir religiös codierten Gruppendruck? Wie reagieren wir, ohne zu stigmatisieren? Wie kommunizieren wir fürsorglich über Gesundheit und Leistungsfähigkeit, ohne religiöse Praxis abzuwerten? Und wie stärken wir eine Schulkultur, in der Pluralität innerhalb einer Religion genauso Platz hat wie zwischen Religionen?

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24.2.2026

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