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Und Friede den Menschen

Veröffentlichung:1.1.2010

Der Fachartikel „Der prophetische Traum vom Frieden. Visionen im Alten Testament“ von Bernd Biberger ist im Heft ru heute 04 2010 erschienen und umfasst die Seiten 4 bis 7. Der Beitrag untersucht unterschiedliche Friedensvisionen im Alten Testament und zeigt, dass diese keineswegs einheitlich sind, sondern verschiedene, teils widersprüchliche Zukunftsentwürfe enthalten. Behandelt werden zentrale Texte wie Jes 11,1 10, Jes 2,2 4, Mi 4,1 3 und Joel 4. Theologisch geht es um Fragen nach messianischer Hoffnung, eschatologischem Heil, dem Verhältnis von Gericht und Frieden, der Rolle Israels und der Völker sowie um die Wiederherstellung der gestörten Gottesbeziehung und Schöpfungsordnung.

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Der Artikel setzt mit dem bekannten Traum Martin Luther Kings ein und schlägt von dort den Bogen zu den prophetischen Visionen des Alten Testaments. Wie moderne Friedensreden entwerfen auch die Propheten Hoffnungsbilder für eine zukünftige Welt. Allerdings sind diese Visionen nicht einheitlich, sondern zeigen unterschiedliche Akzente und Spannungen.

Im Zentrum steht zunächst die Auslegung von Jes 11,1 10. Dieser Text wird literarisch in den Zusammenhang des Jesajabuches eingeordnet und als eigenständige Vision mit innerer Gliederung beschrieben. Ausgangspunkt ist das Bild eines neuen Triebes aus dem Baumstumpf Isais. Damit wird die Erwartung eines neuen davidischen Königs verbunden. Der künftige Herrscher ist vom Geist Gottes erfüllt und zeichnet sich durch Weisheit, Einsicht und Gottesfurcht aus. Seine Herrschaft ist gerecht und parteilich zugunsten der Armen und Schwachen. Er richtet nicht nach äußerem Anschein, sondern schafft soziale Gerechtigkeit. Frieden beginnt hier mit gerechter Herrschaft.

Die anschließenden Tierbilder beschreiben eine umfassende Harmonie der Schöpfung. Feindliche Tiere leben friedlich zusammen, Raubtiere verlieren ihre Gefährlichkeit und selbst ein Säugling spielt an der Schlangenhöhle. Diese Bilder werden unterschiedlich gedeutet. Sie können als Symbol für sozialen oder zwischenvölkischen Frieden verstanden werden, als Anspielung auf die Wiederherstellung der paradiesischen Ordnung aus der Urgeschichte oder als Zeichen für das Ende des Gerichtes über Israel. In jedem Fall wird deutlich, dass Frieden mehr ist als das Ausbleiben von Krieg. Er umfasst die erneuerte Beziehung zwischen Gott, Mensch und Schöpfung.

In Vers 9 spricht Gott selbst und stellt fest, dass das Land von der Erkenntnis des Herrn erfüllt ist. Diese Erkenntnis meint eine erneuerte Beziehung. Damit wird die negative Diagnose über den Menschen aus der Urgeschichte aufgehoben. Die gestörte Gottesbeziehung wird geheilt. Vers 10 weitet den Blick über Israel hinaus auf die Völker. Der Spross aus Isai wird zum Zeichen für die Nationen. Frieden betrifft somit nicht nur Israel, sondern erhält eine universale Dimension.

Ein weiterer Schwerpunkt des Artikels ist die sogenannte Völkerwallfahrt in Jes 2,2 4 und Mi 4,1 3. Hier ziehen die Völker zum Zion, um Gottes Weisung zu empfangen. Von dort geht die Tora aus und begründet eine neue Weltordnung. Gott schlichtet die Streitigkeiten der Völker. Die bekannte Vision, Schwerter zu Pflugscharen umzuschmieden, steht für das Ende militärischer Gewalt. Frieden entsteht durch die Anerkennung der göttlichen Weisung.

Dem gegenüber steht Joel 4 mit der Umkehrung der Friedensvision. Hier werden Pflugscharen zu Schwertern geschmiedet. Gott ruft die Völker zum Gericht zusammen. Diese kriegerischen Bilder sind vor dem historischen Hintergrund einer bedrohten und politisch ohnmächtigen Gemeinschaft zu verstehen. Auch sie zielen letztlich auf Frieden, allerdings auf einen Frieden für Israel angesichts feindlicher Mächte.

Der Artikel macht deutlich, dass die prophetischen Texte zwischen universaler Friedenshoffnung und gerichtlicher Abgrenzung schwanken. Frieden kann als gerechte Herrschaft, als erneuerte Schöpfung, als weltweite Anerkennung Gottes oder als Schutz Israels vor den Völkern gedacht werden. Diese Vielfalt verweist auf unterschiedliche historische Erfahrungen und theologische Deutungen. Für den Religionsunterricht eröffnet der Beitrag die Möglichkeit, mit Lernenden über verschiedene Friedensvorstellungen, ihre Voraussetzungen und ihre bleibende Aktualität ins Gespräch zu kommen.

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