Der Artikel geht von der Beobachtung aus, dass das Neue Testament Visionen vom Frieden enthält, die nicht erst erfunden werden müssen, sondern als verborgener Schatz gehoben werden können. In drei Schritten entfaltet der Autor diese Friedensvisionen. Zunächst wird gezeigt, dass der Friede im Neuen Testament untrennbar mit der Person Jesu verbunden ist. Bereits bei seiner Geburt wird Friede auf Erden verkündet. In seinem Wirken erweist sich Jesus als Friedensstifter, indem er Heil schenkt, Sünden vergibt und Menschen im Frieden entlässt. Er sendet seine Jünger aus, den Frieden anzubieten, und nach seiner Auferstehung grüßt er sie mit dem Friedenswort. Der Friede, den Jesus schenkt, ist mehr als die bloße Abwesenheit von Krieg. Er ist nicht ein Friede, wie die Welt ihn gibt, sondern Ausdruck von Erlösung, Versöhnung und erneuerter Gemeinschaft mit Gott. Mit Tod und Auferstehung wird der Zugang zu Gott neu eröffnet, sodass Friede zwischen Gott und Mensch möglich wird. Dieser Friede bewährt sich gerade in Verfolgung und Leid, wie das Zeugnis von Märtyrern zeigt. Zugleich darf der Friede Christi nicht auf einen innerlichen Herzensfrieden reduziert werden. Er drängt dazu, auch gesellschaftlich und politisch für Frieden einzutreten.
Im zweiten Schritt entwickelt der Artikel Grundlinien einer Theologie des Friedens im Neuen Testament. Die Friedensbotschaft Jesu steht im Zusammenhang mit seiner Verkündigung der Gottesherrschaft. Gott verfolgt seinen Heilsplan für die Welt und wird ihn trotz aller Widerstände vollenden. Mit Jesus ist diese Herrschaft Gottes in einzigartiger Weise gegenwärtig. Damit kommt eine neue Wertordnung in die Welt, die von Liebe, Versöhnung und Gewaltverzicht geprägt ist. Besonders bei Paulus wird deutlich, dass Friede die Frucht der Rechtfertigung ist. Weil Gott den Menschen aus Gnade gerecht macht, entsteht Friede mit Gott. Dieser Friede prägt die Lebensform der Gemeinden. Christen sollen als Friedensgemeinschaft leben und dadurch ein Vorausbild des endgültigen eschatologischen Friedens sein. Im Epheserbrief wird dies konkret am Verhältnis von Juden und Heiden entfaltet. Christus hat die trennende Wand der Feindschaft niedergerissen und beide zu einer Einheit geführt. In diesem Sinn kann gesagt werden, dass Christus selbst unser Friede ist.
Im dritten Teil richtet sich der Blick auf die Bergpredigt als konkrete Anleitung zum Frieden machen. In den Antithesen zeigt Jesus Wege auf, wie der Kreislauf von Gewalt durchbrochen werden kann. Die Überbietung des Vergeltungsrechts zielt darauf, den Gegner aus seiner Feindrolle herauszulösen und zum Umdenken zu bewegen. Nicht starre Handlungsanweisungen stehen im Vordergrund, sondern eine innere Haltung, die Versöhnung sucht. Auch die Bereitschaft, den ersten Schritt zur Versöhnung zu tun, sowie der Schutz der Würde von Frauen in Fragen von Ehe und Scheidung werden als Beiträge zum Frieden verstanden. Die Bergpredigt richtet sich an alle, die Jesus nachfolgen wollen. Gleichzeitig wird betont, dass die hohen Forderungen stets im Zusammenhang mit der Zusage von Vergebung und Gnade gelesen werden müssen. Vor jedem Anspruch steht die Zusage Gottes.
Abschließend wird der historische Hintergrund der Pax Romana angesprochen, die ihren Frieden mit Gewalt sicherte. Demgegenüber steht der Friede Christi, der nicht mit Zwang durchgesetzt wird. Die Friedensworte des Neuen Testaments bleiben Visionen, doch sie sind realitätsbezogene Visionen, die Lernende dazu herausfordern, über Frieden, Versöhnung und die eigene Verantwortung in Kirche und Gesellschaft nachzudenken.