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Eulenfisch

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Gott schenke uns wieder niveauvolle Atheisten!

Veröffentlichung:1.1.2008

Der Fachartikel ist in der Zeitschrift ru-heute unter dem Titel „Gott schenke uns wieder niveauvolle Atheisten!“ erschienen und umfasst etwa 10 Seiten. Der Artikel setzt sich mit dem Neuen Atheismus und dem evolutionären Humanismus, besonders mit den Positionen von Michael Schmidt-Salomon und der Giordano Bruno Stiftung auseinander. Theologisch behandelt der Beitrag vor allem die Probleme des reduktiven Religionsverständnisses, des Euhemerismus, die Grenzen naturwissenschaftlicher Religionskritik sowie erkenntnistheoretische Fragen zum Verhältnis von Wissenschaft, Metaphysik und Gottesfrage.

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Der Artikel beginnt mit einem historischen Prolog aus der Antike und führt in den Begriff des Euhemerismus ein. Dieser geht auf den griechischen Denker Euhemeros zurück, der Mythen über Götter als Erinnerungen an historische Menschen deutete. Götter seien nach dieser Vorstellung ursprünglich bedeutende Herrscher oder Kulturstifter gewesen, die später vergöttlicht wurden. Diese Interpretation stellt keine atheistische Position dar, sondern eine religionskritische Deutung von Mythen. Der Euhemerismus reduziert religiöse Vorstellungen auf natürliche Ursachen und erklärt Religion als menschliches Produkt. Der Autor nutzt diesen Ansatz, um moderne Formen der Religionskritik zu beschreiben, die Religion ausschließlich aus biologischen, psychologischen oder sozialen Ursachen erklären und metaphysische Fragen ausblenden.

Im Mittelpunkt des Artikels steht die Kritik am evolutionären Humanismus, wie er von Michael Schmidt Salomon vertreten wird. Dieser knüpft an naturwissenschaftliche Erkenntnisse an und behauptet, religiöse Weltbilder seien überholt, weil sie auf imaginären Göttern beruhen. Religion erscheine aus dieser Perspektive als menschliche Konstruktion, die sich gegen rationale Argumentation immunisiere und autoritäre Denkstrukturen fördere. Der evolutionäre Humanismus hingegen versteht sich als offenes Weltbild, das wissenschaftliche Erkenntnisse nutzt und eine Ethik ohne religiöse Begründung entwickeln will. Ziel sei eine freie Persönlichkeitsentfaltung und ein faires Zusammenleben der Menschen.

Der Autor kritisiert jedoch, dass dieses Weltbild selbst auf problematischen Voraussetzungen beruht. Wenn der Mensch lediglich als Produkt biologischer Evolution verstanden wird und keine von Naturgesetzen unabhängige Vernunft besitzt, bleibt unklar, warum moralische Normen wie Fairness überhaupt verbindlich sein sollten. Damit gerät die ethische Begründung des evolutionären Humanismus in eine Spannung zwischen naturwissenschaftlichem Determinismus und moralischem Anspruch.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft das Verhältnis von Wissenschaft und Weltanschauung. Der evolutionäre Humanismus beansprucht, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen zu beruhen und ein umfassendes Weltbild zu liefern. Der Autor sieht darin jedoch eine Form von Wissenschaftsglauben, der an Vorstellungen aus dem 19. Jahrhundert erinnert. Schon damals versuchten Freidenkerbewegungen, Religion durch ein naturwissenschaftlich geprägtes Weltbild zu ersetzen. In diesem historischen Zusammenhang wird auch gezeigt, dass Organisationen wie die Giordano Bruno Stiftung in einer Tradition solcher freidenkerischen Bewegungen stehen.

Der Artikel führt anschließend erkenntnistheoretische Überlegungen ein. Er argumentiert, dass weder aus der Ordnung der Welt auf die Existenz Gottes geschlossen werden kann noch aus naturwissenschaftlichen Erklärungen der Religion auf deren Unwahrheit. Naturwissenschaftliche Aussagen beziehen sich auf empirische Wirklichkeit und können deshalb keine endgültigen Aussagen über das metaphysisch Transzendente machen. Eine erkenntnistheoretisch reflektierte Theologie kritisiert daher sowohl einen rationalistischen Gottesbeweis als auch einen unreflektierten atheistischen Reduktionismus.

In diesem Zusammenhang greift der Autor auf den theologischen Begriff der gnoseologischen Konkupiszenz zurück, der von Karl Rahner geprägt wurde. Gemeint ist damit die menschliche Neigung, einfache und umfassende Weltbilder zu suchen, die alle Fragen beantworten sollen. In einer komplexen Welt mit vielen wissenschaftlichen Spezialdisziplinen wächst die Sehnsucht nach einer einheitlichen Weltanschauung. Der evolutionäre Humanismus wird als Ausdruck dieser Sehnsucht gedeutet, weil er ein scheinbar vollständiges, wissenschaftlich begründetes Weltbild anbietet.

Schließlich wird betont, dass Theologie seit der Aufklärung und besonders seit Immanuel Kant die Grenzen menschlicher Erkenntnis berücksichtigen muss. Aussagen über Gott dürfen nicht so behandelt werden, als wären sie empirische Aussagen über Dinge in der Welt. Der Autor plädiert daher für eine differenzierte Position: Religion darf nicht unkritisch verteidigt werden, aber auch atheistische Religionskritik muss ihre eigenen erkenntnistheoretischen Voraussetzungen reflektieren.

Der Artikel endet mit dem Gedanken, dass eine ernsthafte Auseinandersetzung zwischen Glauben und Zweifel nur dann fruchtbar ist, wenn beide Seiten philosophisch anspruchsvoll argumentieren. Der Autor wünscht sich daher wieder kritische, aber philosophisch reflektierte Formen des Atheismus, die die Komplexität der Gottesfrage ernst nehmen.

Hessen

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Sekundarstufe II | Q2 Gott – verborgen und offenbar

Q2.3 Religionskritik – Bestreitung der Vernünftigkeit des Gottesglaubens.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe II | 11/2 Der Mensch auf der Suche nach Gott

11.2 / 2. Gottesbestreitungen und Religionskritik.

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