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EulenfischThomas Menges

Eulenfisch,

Thomas Menges

Die Wut auf die Differenz

Veröffentlichung:1.1.2008

Der Fachartikel ist im Heft ru-heute enthalten unter dem Titel: „Der Weg von der Religionskritik zum Antisemitismus“ und umfasst 2 Seiten (S. 22 bis 23). Der Text beschreibt die Debatte um das von der Giordano Bruno Stiftung geförderte Kinderbuch „Wo bitte geht‘s zu Gott . . .?“ und zeigt, wie in neoatheistischer Religionskritik antisemitische Deutungsmuster wiederkehren können. Theologisch problematisiert der Artikel vor allem die Verzerrung des biblischen Gottesbildes, die pauschale Abwertung des Judentums, das Verhältnis von Aufklärung und Religion sowie die Frage, wann Religionskritik in Menschenfeindschaft umschlägt.

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Der Artikel nimmt die öffentliche Kontroverse um ein als Kinderbuch präsentiertes Werk mit dem Titel Wo bitte geht‘s zu Gott . . .? auf, das von der Giordano Bruno Stiftung gefördert und verteidigt wurde. Anlass war ein Antrag, das Buch wegen möglicher Jugendgefährdung zu indizieren. Zwar entschied das zuständige Gremium gegen eine Indizierung, doch der Text macht deutlich, dass die Debatte eine dunkle Seite einer atheistisch zugespitzten Aufklärung sichtbar gemacht habe, nämlich die Nähe zum Antisemitismus. Im Buch begegnen Tiere nacheinander einem wütenden Imam, einem zornigen Bischof und einem orthodoxen Rabbiner, der schreiend mit einer Torarolle droht. Kritiker sahen darin eine Herabsetzung des Judentums und warnten vor einer Grenzüberschreitung von Religionskritik zu Judenhass. Der Artikel betont, dass eine liberale Gesellschaft auch schlechte Bücher aushalten müsse, dass aber die Frage nach antisemitischen Stoßrichtungen dennoch ernst zu nehmen sei.

Inhaltlich ordnet der Beitrag die problematischen Muster in eine längere Tradition ein. Er erinnert daran, dass Juden und frühe Christen seit der Antike als separatistisch und damit als störend empfunden wurden, weil sie sich nicht in eine religiös politische Einheit einfügten. Diese Zuschreibung werde bis heute reaktiviert, besonders wenn Religion als Hindernis einer einheitlichen vernünftigen Weltdeutung dargestellt werde. Der Artikel zitiert Richard Dawkins als prominente Figur des Neoatheismus, der im Judentum geförderte Spaltungstendenzen sieht und daraus Gewalt ableitet. Damit verschiebt sich der Vorwurf vom konkreten Fehlverhalten einzelner Menschen hin zu einer pauschalen Erzählung, in der das Judentum als Ursprung des Übels erscheint. Der Text zeigt, wie solche Deutungen in groben Beschreibungen des Gottes des Alten Testaments kulminieren und wie das Buch sogar als Dawkins for Kids beworben werde. Aus der Kombination von Ursprungserzählung, Separatismusvorwurf und Moralanklage entstehe ein Gedankengang, der religionskritisch beginnt, aber in alte antijüdische Ressentiments hineinführt.

Der Autor weitet den Blick auf die Ideengeschichte der Aufklärung und nennt Beispiele, in denen auch Aufklärer judenfeindliche Topoi bedienten. Voltaire habe trotz seines Auftretens gegen kirchliche Gewalt ein breites Repertoire an Abwertungen über Juden verbreitet. Auch in enzyklopädischen Projekten der Aufklärungszeit sei das Judentum an den Rand gedrängt worden, weil es als Tradition und Autoritätsglaube den Vorstellungen einer einheitlichen Vernunftreligion widerspreche. Selbst bei Kant erscheint das Judentum als etwas, das in eine allgemeine Vernunftreligion überführt werden solle, was der Artikel als problematischen aufgeklärten Antijudaismus markiert. Insgesamt lautet die Diagnose, dass auch eine moderne humanistische Denkfabrik nicht automatisch immun gegen latente Judenfeindschaft ist. Der Text schließt mit dem Hinweis, dass eine neue Dialektik der Aufklärung nötig sei, weil Antisemitismus oft als Wut auf Differenz funktioniere, also als Angriff auf diejenigen, die auffallen und sich nicht angleichen, und dass die neoatheistische Bewegung ihre eigene Herkunftsgeschichte dafür bisher zu wenig aufgearbeitet habe.

Hessen

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Sekundarstufe II | Q2 Gott – verborgen und offenbar

Q2.3 Religionskritik – Bestreitung der Vernünftigkeit des Gottesglaubens.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe II | 11/2 Der Mensch auf der Suche nach Gott

11.2 / 2. Gottesbestreitungen und Religionskritik.

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