Der Artikel beginnt mit der Beobachtung, dass bei Jesus sehr schnell von Wundern gesprochen wird, obwohl Wunder nicht nur bei ihm vorkommen, sondern auch im Alten Testament und in jüdischen Traditionen zur Zeit Jesu, etwa bei Chanina ben Dosa. Wunder werden als Ereignisse beschrieben, die Menschen über Realität staunen lassen und das Bild dessen weiten, was als wirklich gilt. Die Bibel verwendet dafür vor allem Begriffe wie Zeichen, Taten und Krafttaten und verbindet damit die Überzeugung, dass für Gott nichts unmöglich ist. In dieser Sicht gehört das Wunderhafte zum Auftreten Jesu, weil er als Sohn Gottes in einzigartiger Beziehung zum Vater lebt und aus dieser Nähe heraus handelt. Der Autor betont, dass Jesus auch außerhalb der christlichen Überlieferung als Wundertäter bekannt war und verweist auf Flavius Josephus, der von erstaunlichen Taten spricht. Danach fragt der Text, ob sich ein Profil der Wunder Jesu erkennen lässt und ordnet die Wunder nach Typen. Den größten Teil machen Heilungen und Exorzismen aus, wobei das Neue Testament Leib, Innenleben und personale Kräfte nicht als abgeschlossene Bereiche versteht. Krankmachende Mächte und heilende Kräfte können in den Menschen hineinwirken, weshalb Exorzismus und Heilung nahe beieinander liegen. Besonders auffällig sind Heilungen aus der Ferne, oft an Kindern von Nichtjuden, sowie Berichte von Totenerweckungen, die aus der Perspektive Jesu weniger als absolute Grenze verstanden werden, weil Tod auch als Schlaf beschrieben wird. Daneben werden Geschenkwunder wie die Speisungen, Kana, der wunderbare Fischzug und die Steuermünze im Fischmaul als Zeichen von Überfluss gedeutet, der die messianische Gegenwart markiert. Epiphaniewunder wie Seewandel und Verklärung zeigen den göttlichen Glanz Jesu und stehen den Erscheinungen des Auferstandenen nahe. Rettungswunder machen verständlich, warum Jesus Retter genannt wird, weil er in konkreter Not hilft. Bemerkenswert ist, dass es bei Jesus fast kein Strafwunder gibt, und das einzige richtet sich gegen einen Feigenbaum, sodass das Exempel den Menschen schont.
Im Zentrum steht dann Markus als ältester Evangelist, bei dem ein historisches Profil besonders greifbar erscheint. Markus zeigt viele Wunder in Galiläa und deutlich weniger auf dem Weg nach Jerusalem, wobei zwei Blindenheilungen Jesu Weglehren über das Leiden rahmen und dadurch auch symbolische Tiefenschichten sichtbar werden, ohne dass dies den Erinnerungswert der Erzählung mindern muss. Eine zweite Reihe von Wundern wird als bewusst komponierte Abfolge gelesen, die mit einem Seewunder beginnt und mit einer Speisung endet, und in der einzelne aramäische Befehlsworte Jesu überliefert sind, die nicht als magische Formeln, sondern als situationsbezogene Worte verstanden werden, die das bewirken, was sie sagen. Besonders herausfordernd erscheinen die sogenannten Naturwunder wie Sturmstillung und Seewandel. Der Artikel erklärt, dass die Schrift keine strikt unbelebte Natur kennt, sondern alle Wirklichkeit Gottes Wirken offen sieht. Deshalb sind auch Naturereignisse grundsätzlich in Beziehung zum Schöpfer denkbar. Beim Sturm spielt zudem die Mehrdeutigkeit von Geist und Wind eine Rolle, sodass Jesu Befehl an den Sturm zugleich seine Vollmacht über Mächte zeigt, denen die Jünger ausgesetzt sind. Der Fokus liegt dabei weniger auf einem spektakulären Bruch der Weltordnung als auf der Offenbarung, wer Jesus ist, und darauf, dass die Jünger ihn noch nicht mit dem Vermögen des Gottessohnes denken können, was Markus als verhärtetes Herz beschreibt.
Anschließend entfaltet der Artikel die Idee einer Wunderdidaktik. Menschen lernen an den Wundern, aber es wird auch ein Lernweg Jesu sichtbar, etwa in den Sabbatkonflikten. Am Anfang heilt Jesus am Sabbat, später verteidigt er die Freiheit der Jünger, Grundbedürfnisse zu stillen, und heilt dann bewusst als Demonstration, dass Heil und Leben dem Willen Gottes nicht widersprechen. Eine ähnliche Dynamik zeigt sich bei Reinheit und Berührung. Die Heilung der blutenden Frau wird als Erzählkomposition gedeutet, in der Berührung zunächst als potenziell verunreinigend gilt, aber bei Jesus zur Quelle von Heil wird. Später wird die Berührung am Saum seines Gewandes wie ritualisiert, mit Anspielungen auf Quasten und Gebotserinnerung, und direkt danach folgt Jesu neue Lehre zu Reinheitsvorschriften. So entsteht der Eindruck, dass Reinheit nicht dazu dient, das Heil abzusperren, sondern dass Gottes Heil auf die Menschen übergehen soll.
Den Höhepunkt bildet die Deutung der Wunder als Wunder der Barmherzigkeit in der Spannung zu Gottes Gerechtigkeit. Markus beschreibt mehrfach ausdrücklich, dass Jesus sich erbarmt. Bei der Heilung eines Aussätzigen berührt Jesus trotz der sinnvollen Grenze von Schutz und Kultreinheit den Kranken und weitet damit die Grenze im Namen des Heils. Besonders eindrücklich wird dieses Ringen im Gespräch mit der syrophönizischen Frau. Jesus betont zuerst die Priorität Israels und eine Ordnung der Zuwendung Gottes. Die Frau akzeptiert diese Perspektive, findet aber im Bildwort Jesu den Raum für die Not ihrer Tochter und denkt sein Wort im Vertrauen weiter. Dadurch wird die Gerechtigkeit nicht aufgehoben, aber in ein Wort der Barmherzigkeit hinein geöffnet, und genau dann geschieht die Befreiung. Ähnlich werden die Speisungswunder gedeutet. Jesus erbarmt sich der hungrigen Menge, lehrt sie und gibt ihnen zu essen. Die Zahlen und die Reste markieren Überfluss und zeigen, dass Israel reich beschenkt ist, sodass es auch für die Völker reicht. Entscheidend ist jedoch, dass Jesu Erbarmen den Hunger sieht und die Möglichkeiten des Lebens ausdehnt. So versteht der Artikel Jesu Wunder als provokative Zeichen, in denen Gottes Nähe, Heil und Barmherzigkeit konkret werden und zugleich Lernprozesse bei den Menschen und im Handeln Jesu sichtbar werden.