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Eulenfisch

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Durch Wunden geheilt

Woran glaubt, wer an den Gekreuzigten glaubt?

Veröffentlichung:1.1.2009

Der Fachartikel „Durch Wunden geheilt“ von Joachim Valentin ist im Heft EULENFISCH – Thema erschienen und umfasst ca. S. 8–11. Der Artikel behandelt zentrale kreuzestheologische Fragen des Christentums. Thematisiert werden vor allem die Bedeutung des Kreuzestodes Jesu, unterschiedliche theologische Deutungen der Erlösung sowie das Problem, wie aus dem gewaltsamen Tod Jesu Heil für die Menschheit entstehen kann. Dabei werden biblische Grundlagen, historische Hintergründe und verschiedene theologische Modelle der Erlösung dargestellt.

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Der Artikel behandelt die Bedeutung des Kreuzes im christlichen Glauben und setzt sich mit der Frage auseinander, woran Menschen glauben, wenn sie an den gekreuzigten Jesus Christus glauben. Historisch gilt die Kreuzigung Jesu als eine der sichersten Tatsachen seiner Geschichte. Gleichzeitig wird das Kreuz bis heute kontrovers diskutiert, sowohl in der Gesellschaft als auch innerhalb der Theologie. Schon in der Antike galt die Kreuzigung als besonders entehrende Hinrichtungsform. Deshalb erscheint es vielen Menschen anstößig, dass gerade dieses Zeichen zum zentralen Symbol des Christentums geworden ist.

Der Autor zeigt, dass das Kreuz für Nichtchristen häufig als Zeichen von Leidensverherrlichung oder Lebensfeindlichkeit interpretiert wird. Demgegenüber betont die christliche Deutung, dass im Kreuz die radikale Selbsthingabe Gottes sichtbar wird. Gott erniedrigt sich in Jesus Christus und teilt das menschliche Leiden. Diese Bewegung Gottes auf den Menschen hin ist in der Religionsgeschichte einzigartig und wird als Ausdruck göttlicher Liebe verstanden.

Historisch wird der Tod Jesu im Zusammenhang mit Konflikten zwischen seinem Wirken und religiösen Autoritäten seiner Zeit erklärt. Jesus stand in Spannung zu bestimmten Auslegungen des jüdischen Gesetzes und kritisierte religiöse Praktiken. Gleichzeitig stellte er für die römische Besatzungsmacht eine potenzielle Gefahr dar, da seine Verkündigung Menschenmengen anzog. Diese politischen und religiösen Spannungen führten schließlich zu seiner Hinrichtung.

Die Evangelien berichten ausführlich vom Leiden und Sterben Jesu. Diese Passionsberichte gehören zu den ältesten Teilen des Neuen Testaments. Dennoch erklärt die historische Tatsache der Kreuzigung allein noch nicht ihre religiöse Bedeutung. In der jüdischen Tradition galt ein am Holz Gehängter sogar als von Gott verflucht. Auch die griechische Welt kannte keine Vorstellung, dass ein hingerichteter Mensch Erlöser der Welt sein könnte. Deshalb stellte die christliche Deutung des Kreuzes eine radikale Neuinterpretation dar.

Die ersten Jünger verstanden die Bedeutung des Todes Jesu erst nach den Erfahrungen der Auferstehung und durch das Wirken des Heiligen Geistes. Sie verkündeten, dass der gekreuzigte Jesus lebt und dass sein Tod eine heilbringende Bedeutung besitzt. Der Tod Jesu wird dabei als Wendepunkt zwischen der alten Welt und der kommenden Herrschaft Gottes interpretiert.

Theologisch wird betont, dass das Kreuz nicht nur als Vorstufe der Auferstehung verstanden werden darf. Jesus stirbt tatsächlich als Mensch und erlebt auch die Erfahrung der Gottverlassenheit. Seine Auferstehung geschieht nicht unabhängig vom Kreuz, sondern durch das Kreuz hindurch. Die Wunden bleiben Zeichen dieser Realität.

Im Verlauf der christlichen Theologie entstanden verschiedene Modelle zur Erklärung der Erlösung. In der frühen Kirche entwickelte sich die Vorstellung eines Platztausches zwischen Gott und Mensch. Christus nimmt die Last der Sünde auf sich und ermöglicht so die Erlösung der Menschen. Mittelalterliche Theologen wie Anselm von Canterbury erklärten den Tod Jesu als Genugtuung für die gestörte Ordnung der Schöpfung. Jesu Tod ist demnach Folge seines gerechten Lebens und seiner freien Hingabe.

Neuere Theologien betonen stärker die Dimension der Stellvertretung und der radikalen Existenz Jesu für andere Menschen. Die Selbsthingabe Jesu wird als Ausdruck der Liebe Gottes verstanden, die aus der Beziehung zwischen Vater, Sohn und Geist hervorgeht.

Eine moderne Interpretation liefert der Literaturwissenschaftler René Girard. Er beschreibt Gewalt als grundlegendes Problem menschlicher Gesellschaften. Menschen neigen dazu, Konflikte durch die Suche nach einem Sündenbock zu lösen. Opfer werden beschuldigt und aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, um Gewalt zu beenden. Der Tod Jesu macht diesen Mechanismus sichtbar und durchbricht ihn. Jesus wird unschuldig zum Opfer der Gewalt, aber seine freiwillige Selbsthingabe entlarvt den Mechanismus des Sündenbocks.

Die Eucharistie erinnert deshalb nicht an ein Opfer, das Menschen Gott darbringen, sondern an die Selbsthingabe Jesu. Aus dieser Erfahrung der Liebe Gottes entsteht der Auftrag zur Nächstenliebe. Wer an Christus glaubt, lernt, andere Menschen aus der Perspektive Jesu zu sehen und ihnen mit Liebe zu begegnen.

Hessen

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Sekundarstufe II | Q1 Jesus Christus – das menschgewordene Wort Gottes

Q1.3 Jesus in anderen Religionen und Weltanschauungen.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe II | 12/1 Jesus Christus und die Kirche

12.1 / 2. Der Geist Jesu Christi als Lebensprinzip der Gemeinde.

Sekundarstufe II | 13 Der Mensch und seine Zukunft - Die Zukunft der Menschheit

13 / 1. Sterben und Tod, Erlösung und Auferstehung.

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