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Neugier wecken – Mitmenschlichkeit erleben

Veröffentlichung:1.1.2010

Der Fachartikel „Neugier wecken – Mitmenschlichkeit erleben. Lernen mit Herz, Hand und Verstand“ von Andreas Thelen ist im Heft ru-heute erschienen und umfasst ca. 2 Seiten. Der Artikel behandelt theologische Fragen der christlichen Nächstenliebe, der praktischen Umsetzung des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter sowie der Verbindung von Glauben und sozialem Handeln im Religionsunterricht. Am Beispiel eines Sozialpraktikums einer achten Klasse wird gezeigt, wie Lernende durch praktische Erfahrungen mit hilfsbedürftigen Menschen ein tieferes Verständnis christlicher Verantwortung und Nachfolge Jesu entwickeln können.

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Der Artikel beschäftigt sich mit der Frage, wie christliche Nächstenliebe im schulischen Religionsunterricht nicht nur theoretisch vermittelt, sondern praktisch erfahrbar gemacht werden kann. Ausgangspunkt ist das Gleichnis vom barmherzigen Samariter aus dem Lukasevangelium. In dieser Erzählung fragt ein Gesetzeslehrer Jesus danach, wer sein Nächster sei. Jesus antwortet nicht mit einer theoretischen Definition, sondern mit einer Beispielerzählung. Ein überfallener Mann bleibt hilflos am Straßenrand zurück und ist vollständig auf fremde Hilfe angewiesen. Durch diese Darstellung wird deutlich, dass jeder Mensch in einer solchen Situation Hilfe benötigt und dass sich jeder angesprochen fühlen muss zu helfen.

Das Gleichnis verdeutlicht, dass Nächstenliebe nicht nur eine moralische Forderung ist, sondern zu konkretem Handeln verpflichtet. Der Samariter handelt praktisch und überlegt. Er versorgt den Verletzten, bringt ihn in eine Unterkunft und sorgt auch für seine weitere Pflege. Dadurch wird deutlich, dass nicht die Frage entscheidend ist, wer der Nächste ist, sondern wer sich selbst zum Nächsten des Hilfsbedürftigen macht. Nächstenliebe wird somit zu einer persönlichen Frage des Engagements.

Der Artikel weist darauf hin, dass gesellschaftliche Vorstellungen häufig vom Nutzen oder von Leistung geprägt sind und deshalb nicht immer mit christlichen Wertvorstellungen übereinstimmen. Das Christentum betont dagegen die unverlierbare Würde jedes Menschen, die aus dem Anruf Gottes an jeden einzelnen Menschen hervorgeht. Daher fordert auch der Lehrplan des Religionsunterrichts, dass Lernende dazu befähigt werden sollen, Verantwortung für das Leben zu übernehmen und sich von der biblischen Botschaft leiten zu lassen.

In diesem Zusammenhang stellt der Autor ein Praxisprojekt der Bischöflichen Realschule Koblenz vor. Die Schule verfolgt das Ziel, Lernenden zu ermöglichen, christliche Werte nicht nur im Unterricht zu besprechen, sondern im Alltag zu erfahren. Dazu wurde ein Sozialpraktikum für alle achten Klassen eingerichtet. Unter dem Motto Lernen mit Herz Hand und Verstand verbringen die Lernenden mehrere Tage in sozialen Einrichtungen. Dazu gehören Einrichtungen für ältere Menschen, für Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen sowie Einrichtungen der Jugend und Integrationsarbeit.

Durch die Begegnung mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen sollen Lernende verstehen, welche Bedeutung soziale Einrichtungen für Betroffene und für die Gesellschaft haben. Gleichzeitig sollen sie Empathie entwickeln und Verantwortung übernehmen. Die Erfahrung zeigt, dass Lernende durch diese Begegnungen auch sich selbst besser kennenlernen und religiöse Erfahrungen machen können.

Der Artikel beschreibt ausführlich die organisatorische Vorbereitung des Praktikums. Die Planung beginnt bereits kurz nach den Sommerferien. Es wird geklärt, welche sozialen Einrichtungen Praktikumsplätze anbieten können. Auf einem Elternabend werden die Familien über Ablauf und Organisation informiert. Danach wählen die Lernenden mögliche Einsatzstellen aus. Im Deutschunterricht bereiten sie ein Anschreiben und einen Lebenslauf vor, mit denen sie sich bei den Einrichtungen bewerben.

Parallel dazu wird das Praktikum inhaltlich im Unterricht vorbereitet. Besonders im Religionsunterricht beschäftigen sich die Lernenden mit sozialen Fragen und mit biblischen Texten zur Verantwortung gegenüber Armen und Benachteiligten. Außerdem erstellen sie eine Praktikumsmappe. Darin beschreiben sie ihre Erwartungen, informieren über die jeweilige Einrichtung und halten ihre Erfahrungen sowie ihre persönliche Reflexion fest.

Während des Praktikums werden die Lernenden von Lehrkräften besucht und begleitet. Dabei spielt auch die Unterstützung der Eltern eine wichtige Rolle, weil die Jugendlichen teilweise mit schwierigen Situationen konfrontiert werden können. Beispielsweise berichtet eine Schülerin von der Erfahrung, das Zimmer eines verstorbenen Bewohners in einem Altenheim aufzuräumen. Solche Erlebnisse können emotional herausfordernd sein und müssen gemeinsam reflektiert werden.

Nach dem Praktikum finden in der Schule zwei Reflexionstage statt. In dieser Zeit tauschen die Lernenden ihre Erfahrungen aus und besprechen ihre Eindrücke. Viele Rückmeldungen zeigen, dass die Jugendlichen einen neuen Blick auf soziale Berufe und auf das Leben von benachteiligten Menschen erhalten. Sie erkennen, wie schwierig und zugleich wichtig soziale Arbeit ist und wie bedeutend Engagement für andere Menschen sein kann.

Der Autor betont abschließend, dass christliche Nächstenliebe nicht allein im Unterricht vermittelt werden kann. Sie muss im konkreten Handeln erfahren werden. Durch praktische Begegnungen mit hilfsbedürftigen Menschen können Lernende ein tieferes Verständnis für die Botschaft Jesu entwickeln. Der Einsatz für Arme und Benachteiligte wird so als konkrete Form der Nachfolge Jesu erfahrbar. Das Sozialpraktikum bietet daher eine wichtige Möglichkeit, die Frage nach dem eigenen Nächsten praktisch zu beantworten und Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen.

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Sekundarstufe II | 11/1 Was ist der Mensch?

11.1 / 2. Der Mensch und seine Mitmenschen.

11.1 / 3. Der Mensch und seine Verantwortung.

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