Alexander Unser argumentiert in seinem Beitrag, dass die empirische Professionalisierung eine zentrale Zukunftsaufgabe der wissenschaftlichen Religionspädagogik darstellt. Diese These begründet er mit zwei zentralen Entwicklungen: Erstens hat sich die Steuerung von Bildungspolitik von Input- zu Output-Steuerung gewandelt, wodurch empirische Evidenz zunehmend nachgefragt wird. Zweitens steht der konfessionelle Religionsunterricht unter wachsendem Legitimationsdruck, was unmittelbare Konsequenzen für die universitäre Religionspädagogik hat. Im zweiten Teil analysiert Unser die aktuelle Situation der Religionspädagogik anhand von zwei Indikatoren: (1) Der Einwerbung von Drittmitteln zeigt sich, dass nur etwa 4% der DFG-geförderten Projekte im Bereich Theologie der Religionspädagogik zugeordnet sind. Von 2010 bis 2020 wurden nur 17 DFG-Projekte in der Religionspädagogik gefördert, davon etwa 59% empirisch ausgerichtet. Jedoch lassen sich empirische Schwerpunktbildungen nur an etwa 5% der Standorte nachweisen. (2) Die Berufungspraxis zeigt, dass systematische Methodenprofile deutlich höheres Ansehen genießen als empirische: Bei katholischen Besetzungen wurden 73,7% der Professuren mit Personen besetzt, die sich intensiv mit systematischen Methoden auseinandergesetzt haben, demgegenüber nur 15,8% mit empirischen Profilen. Bei evangelischen Besetzungen ist der Methodenpluralismus stärker ausgeprägt, aber auch hier dominieren systematische Arbeiten bei den Habilitationen (52,2% vs. 13,0% empirisch). Im dritten Teil formuliert Unser drei konkrete Maßnahmen zur empirischen Professionalisierung: (1) Kräfte bündeln und fokussieren durch disziplinübergreifende Kooperation und Konzentration auf zentrale Forschungsfragen; (2) Nachwuchskräfte gezielt qualifizieren durch Einwerbung eines empirisch fokussierten, standortübergreifenden Graduiertenkollegs; (3) Empirische Institute aufbauen und pflegen durch Gründung von zwei bis drei neuen Zentren in unterschiedlichen Bundesländern. Unser macht deutlich, dass diese Maßnahmen strukturelle Veränderungen voraussetzen und von der gesamten religionspädagogischen Community getragen werden müssen, um die Disziplin angesichts veränderter wissenschaftspolitischer Rahmenbedingungen zukunftsfähig zu machen.