Claudia Gärtner bietet eine strukturierte Analyse aktueller Diskurse zur inklusiven Religionspädagogik. Auf der grundlagentheoretischen Ebene wird aufgezeigt, dass aus christlicher Perspektive allen Menschen eine unveräußerliche gleiche Würde zukommt und Inklusion daher eine zentrale religionspädagogische Aufgabe darstellt. Die Autorin erörtert vier theologische Deutungsmuster von Behinderung: Behinderung als Charisma/Begabung, als Normalität menschlichen Lebens, als erlösungsbedürftiger Zustand sowie als zu bekämpfende Chaosmacht. Auf der Ebene der Leitbilder werden De-Segregation, gemeinsame Beschulung, Binnendifferenzierung und Individualisierung als etablierte Ansätze identifiziert. Die didaktisch-methodische Ebene behandelt vier Prinzipien: (1) Individualisierung erfordert fachspezifische Förderdiagnostik und individuelle Lernmaterialien; (2) Binnendifferenzierung muss auf differenzierte Learning-Outcomes ausgerichtet sein und nicht nur methodisch umgesetzt werden; (3) kooperative Lernformen sind notwendig, insbesondere beim Theologisieren mit Kindern und Jugendlichen; (4) gemeinsame Lerngegenstände müssen systematisch ausgewählt und strukturiert werden. Die Autorin identifiziert erhebliche Forschungslücken: Es mangelt an vertikalen Kompetenzbeschreibungen, empirischen Studien zu binnendifferenzierten Lernprozessen und an klarer Konzeptualisierung mehrdimensionaler religiöser Lernwege. Eine zentrale Spannung besteht zwischen dem normativen Wahrheitsanspruch des Christentums und der deskriptiv wahrzunehmenden religiösen Vielfalt. Die Autorin plädiert für qualitativ empirische Forschung zur Konkretisierung inklusiver Religionsdidaktik.