Der Artikel behandelt die Frage, wie eine transformative sozial-ökologische Bildung philosophisch fundiert werden kann, angesichts der gegenwärtigen sozial-ökologischen Krise. Der Autor argumentiert, dass der traditionelle aufklärungsphilosophische Emanzipationsbegriff, auf den sich politische und religiöse Bildung berufen, grundlegend problematisiert werden muss. Dieser Begriff basiert auf einem Geist-Natur-Dualismus, der Geist und Natur als hierarchisch gegliederte Entitäten versteht und damit selbst an der Reproduktion kapitalistischer Herrschaftsverhältnisse beteiligt ist. Der Autor schlägt vor, Herbert Marcuses Emanzipationsbegriff für eine Neubestimmung heranzuziehen. Marcuse unternimmt den Versuch, vernunftphilosophische Begriffe für ein Mensch und Natur befreiende gesellschaftliches Projekt zu retten. Mit Marcuse lässt sich ein dreifacher Emanzipationsbegriff formulieren, der sich auf vier Dimensionen erstreckt: Erstens charakterisiert er die Form bestehender Herrschaft als kapitalistische Herrschaft über Menschen vermittels Herrschaft über die Natur. Dabei werden Mensch und Natur in ihren drei Dimensionen unterworfen: äußere Natur, innere menschliche Natur und gesellschaftliche Verhältnisse. Zweitens bestimmt Marcuse das Ziel der Emanzipation als eine Gesellschaft, in der allgemeine Freiheit und Glück herrschen, die Lohnarbeit aufgehoben ist und die Menschen bewusst über ihre eigene gesellschaftliche Reproduktion verfügen. Drittens identifiziert er das Subjekt der Emanzipation nicht nur mit der Arbeiterklasse, sondern bezieht menschliche Sinne und Bedürfnisse ein. Besonders wichtig sind transzendierende Bedürfnisse, die über das Lebensnotwendige hinausgehen und einen qualitativen Sprung zur Befreiung erfordern. Viertens beschreibt Marcuse den Modus der Befreiung als dreifache Befreiung der Natur: Befreiung der gesellschaftlichen Reproduktion durch Selbstbestimmung, Ende der zügellosen Naturzerstörung sowie Befreiung der inneren menschlichen Natur. Entscheidend ist, dass dieser Prozess die gleichzeitige radikale Transformation von Sinnen und Bedürfnissen einerseits sowie des Bewusstseins andererseits umfasst. Aus diesem dreifachen Emanzipationsbegriff zieht der Autor konzeptionelle Schlussfolgerungen für transformative sozial-ökologische Bildung auf drei Ebenen: Erstens muss die theoretische Vermittlung des Emanzipationsbegriffs selbst Gegenstand von Lernprozessen sein und dabei die Verwobenheit von Natur- und Sozialverhältnissen verdeutlichen. Die Bildung muss aktuelle Krisen an die gesellschaftliche Totalität zurückbinden und utopische Entwürfe einbeziehen. Zweitens müssen Lernprozesse auf die Transformation von Bedürfnissen und Bewusstsein abzielen, nicht nur auf kognitive Wissensvermittlung. Zentral sind die Emanzipation der Sinne, emotionale Zugänge und die Verbindung zu materialistischen Inhalten. Naturerfahrungen und praxisorientierte Formate erhalten emanzipatorisches Potenzial. Drittens muss transformative Bildung aktiv in gesellschaftliche Verhältnisse eingreifen und sich mit außerparlamentarischen sozialen Bewegungen (Black Lives Matter, Klimabewegung, feministische Bewegungen) verbinden. Diese Bewegungen fungieren als Labore neuer Lebensformen und Mensch-Natur-Beziehungen. Der Aufbau von Gegeninstitutionen ist dabei zentral, um nicht von neoliberalen Strukturen kooptiert zu werden. Der Artikel plädiert insgesamt für eine emanzipatorische Subjektorientierung, die Sensibilität und Bewusstsein durch kritisches gesellschaftliches Engagement entwickelt.