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Eulenfisch

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Die Liebe hält den gesamten Kosmos zusammen

Veröffentlichung:1.1.2013

Der Artikel ist im Heft ru heute unter dem Titel „Die Liebe hält den gesamten Kosmos zusammen“ enthalten und umfasst vier Seiten. In dem Interview mit Schwester Philippa Rath wird Hildegard von Bingen als Theologin, geistliche Autorität und bis heute wirksame Gestalt des Christentums vorgestellt. Der Beitrag behandelt vor allem die theologischen Fragen nach Gottes Liebe als tragender Kraft der Schöpfung, nach dem Verhältnis von Gott, Mensch und Kosmos, nach Freiheit und Verantwortung des Menschen, nach dem Menschenbild Hildegards sowie nach der Bedeutung von Schöpfung, Erlösung, Trinität und christlicher Lebensgestaltung für die Gegenwart.

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Der Beitrag ist als Interview mit Schwester Philippa Rath gestaltet und eröffnet einen gut verständlichen Zugang zu Leben, Werk und Theologie Hildegards von Bingen. Schwester Philippa berichtet, dass sie sich seit ihrem Eintritt in die Abtei St. Hildegard intensiv mit der Ordensgründerin beschäftigt hat und Hildegard für eine außergewöhnlich charismatische, mutige und geistig weite Persönlichkeit hält. Besonders hervorgehoben werden ihr prophetisches Sendungsbewusstsein, ihre Standfestigkeit und ihre Entschlossenheit, dem göttlichen Auftrag zu folgen und ihre Visionen aufzuschreiben.

Als zentrales Ereignis in Hildegards Leben nennt Schwester Philippa die Gründung eines eigenen Klosters in Bingen sowie die bewusste Entscheidung, Gottes Ruf zu folgen. Hildegard erscheint dadurch als Frau, die ihre Berufung nicht nur innerlich wahrnahm, sondern daraus konkrete und mutige Schritte im Leben ableitete. Gerade darin wird sie als Vorbild sichtbar.

Ein Schwerpunkt des Interviews liegt auf Hildegards Menschenbild. Besonders wichtig ist Schwester Philippa die Vision vom Menschen im Kosmos. Diese bringt nach ihrer Auffassung die Würde des Menschen und zugleich seine große Verantwortung eindrucksvoll zum Ausdruck. Der Mensch ist Geschöpf Gottes, frei geschaffen und zum verantwortlichen Handeln berufen. Sein Tun und auch sein Unterlassen haben Folgen nicht nur für das eigene Leben, sondern für die gesamte Welt. Damit wird der Mensch als Teil der Schöpfung verstanden, der zugleich eine besondere Aufgabe in ihr hat.

Hildegards Anthropologie wird als ganzheitlich beschrieben. Der Mensch besteht nicht nur aus dem Leib, sondern aus Leib, Seele und Geist, die untrennbar zusammengehören. Freiheit und Verantwortung sind dabei eng miteinander verbunden. Ein gutes und sinnvolles Leben gelingt nach Hildegard nur dann, wenn Gottesliebe und Nächstenliebe zusammenkommen. Damit verbindet sie die vertikale Beziehung zu Gott mit der horizontalen Beziehung zu anderen Menschen.

Auch Hildegards Gottesbild wird ausführlich gewürdigt. Schwester Philippa beschreibt es als dynamisch und lebensnah. Besonders wichtig ist ihr die Vorstellung, dass Gottes Liebe die ganze Welt bewegt und den gesamten Kosmos zusammenhält. Gott erschafft und erlöst den Menschen aus Liebe. Diese Liebe ist keine abstrakte Idee, sondern eine wirkende Kraft, die das Leben trägt und ordnet. In diesem Zusammenhang wird auch Hildegards Trinitätsverständnis angesprochen. Ihre bildhafte Darstellung von Vater, Sohn und Heiligem Geist macht deutlich, dass Gott als lebendige Beziehung gedacht wird.

Ein weiterer Schwerpunkt ist Hildegards Sicht auf die Schöpfung. Die Welt erscheint bei ihr als geordneter Zusammenhang, in dem alles miteinander verbunden ist. Darum hat menschliches Verhalten immer Auswirkungen auf das Ganze. Diese Sicht macht Hildegards Denken für die Gegenwart besonders aktuell, weil ökologische Verantwortung, Maßhalten und Achtung vor dem Geschaffenen heute erneut zentrale Themen sind. Schwester Philippa betont, dass Hildegard die Menschen an ihre geschöpfliche Freiheit erinnert und sie zugleich in die Verantwortung für ihr Leben und für den Kosmos ruft.

Das Interview zeigt außerdem, wie stark Hildegard von der Benediktsregel geprägt wurde. Besonders wichtig sind dabei die Heilige Schrift, Gebet, Arbeit, Maß, Mitte und Ehrfurcht vor allem Geschaffenen. Hildegard wird nicht als radikale Reformerin dargestellt, sondern als Frau, die zu einem glaubwürdigen und authentischen christlichen Leben aufruft. Ihre Lebenshaltung ist lebensbejahend und menschenfreundlich. Überstrenge Askese lehnt sie ab. Stattdessen steht sie für eine Spiritualität, die Maß, Schönheit, Sinnlichkeit und Freude am Leben einschließt.

Schwester Philippa erklärt auch, warum Hildegard heute noch eine so große Bedeutung hat. Sie sieht in ihr eine Theologin von außerordentlichem Rang, deren Werk von der Schöpfungstheologie bis zur Erlösungstheologie reicht. Hildegard habe den Glauben der Kirche in einer Sprache ausgedrückt, die Menschen damals wie heute erreichen könne. Dazu kommt, dass sie ihre Überzeugungen nicht nur gelehrt, sondern gelebt habe. Dies macht sie für Schwester Philippa zu einer Kirchenlehrerin im eigentlichen Sinn.

Zugleich werden mögliche Missverständnisse angesprochen. Oft würden einzelne Bereiche aus Hildegards Werk isoliert und überbetont, etwa Naturheilkunde oder Musik. Demgegenüber betont Schwester Philippa, dass Hildegard nur dann richtig verstanden werden kann, wenn man ihr Werk als Ganzes sieht. Ihre kosmologische, theologische, spirituelle und praktische Sicht des Lebens gehört untrennbar zusammen.

Der Artikel arbeitet schließlich heraus, dass Hildegard auch Menschen ansprechen kann, die Kirche und Glauben eher fernstehen. Viele Menschen suchen nach Sinn, Orientierung und tragenden Werten. Über Musik, Natur oder Heilkunde finden sie manchmal einen ersten Zugang zu Hildegard und gelangen von dort aus zu tieferen religiösen Fragen. Für Lehrende ist der Beitrag deshalb besonders interessant, weil er zeigt, wie Hildegard als historische Gestalt, als Theologin und als spirituelle Impulsgeberin für heutige Lernende erschlossen werden kann.

Insgesamt präsentiert der Artikel Hildegard von Bingen als eine theologisch tiefgründige und zugleich gegenwartsnahe Denkerin. Ihre zentrale Botschaft lautet, dass der Mensch in Freiheit und Verantwortung vor Gott lebt und dass Gottes Liebe die Schöpfung trägt, ordnet und zusammenhält.

Hessen

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.1 Verantwortung für das Leben. Menschenwürde und Gottesebenbildlichkeit.

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Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe II | 11/2 Der Mensch auf der Suche nach Gott

11.2 / 6. Der Mensch als das sich transzendierende Wesen.

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