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Eulenfisch

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Veröffentlichung:1.1.2013

Der Fachartikel „Was tun wir eigentlich, wenn wir sprechen?“ aus dem Heft ru-heute (Umfang: ca. 7 Seiten) beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Sprache, Zeit und Gottesverständnis. Der Text zeigt, dass menschliche Sprache Wirklichkeit darstellen und hervorbringen kann und deshalb eine zentrale Rolle für religiöses Denken spielt. Theologisch behandelt der Artikel insbesondere die Probleme des Verhältnisses von Zeit und Ewigkeit, der Darstellung Gottes durch Sprache statt durch Bilder, sowie die Bedeutung von Inkarnation und Offenbarung für das christliche Verständnis von Wirklichkeit.

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Der Artikel geht von der besonderen Fähigkeit des Menschen aus zu sprechen und damit auch Dinge darzustellen, die nicht gegenwärtig sind. Sprache eröffnet dem Menschen ein Bewusstsein für Vergangenheit und Zukunft und damit für die Vergänglichkeit des Lebens. Durch Sprache wird Zeit erfahrbar und gleichzeitig schmerzhaft bewusst, weil der Mensch erkennt, dass seine Lebenszeit begrenzt ist. Dieses Bewusstsein radikaler Endlichkeit kann zur Entstehung von Religion führen, da Menschen nach einem Sinn jenseits der begrenzten Lebenszeit suchen.

Religion wird als Ausdruck des Bewusstseins menschlicher Endlichkeit verstanden und zugleich als Hoffnung auf deren Überwindung. Menschen können ihr Leben trotz der Endlichkeit bejahen. Aus dieser Bejahung entsteht die Hoffnung, dass nach dem Tod nicht das Nichts folgt. Moderne Theologie versucht dabei auf konkrete Vorstellungen eines räumlichen Himmels zu verzichten und spricht stattdessen von einer Wirklichkeit, die sich der menschlichen Vorstellung entzieht.

Ein zentraler Gedanke des Artikels ist das Verhältnis von Zeit und Ewigkeit. In der biblischen Tradition wird Gott als Schöpfer verstanden, der nicht Teil des Kosmos ist, sondern ihm gegenübersteht. Dadurch entsteht eine neue Sicht auf Wirklichkeit. Gott ist nicht innerhalb der Zeit verortet, sondern der Schöpfer der Zeit selbst. Die biblische Aussage vom Anfang der Welt verweist auf einen absoluten Anfang, der sich der menschlichen Vorstellung entzieht.

Das Johannesevangelium greift dieses Verhältnis von Zeit und Ewigkeit auf. Der Prolog beschreibt, dass das Wort Gottes Fleisch geworden ist. Damit wird ausgedrückt, dass Gott in die menschliche Geschichte eingetreten ist. Das Wort Gottes ist nicht nur eine Aussage, sondern eine schöpferische Kraft, die Wirklichkeit hervorbringt. Die Metapher des göttlichen Sprechens knüpft an die Erfahrung menschlicher Sprache an, die ebenfalls Wirklichkeit verändern kann.

Ein weiterer Schwerpunkt des Artikels ist der Unterschied zwischen Bild und Schrift als religiöse Medien. In polytheistischen Religionen spielten Kultbilder eine zentrale Rolle. Sie konnten jedoch leicht mit der Gottheit selbst verwechselt werden. Im biblischen Monotheismus wurde deshalb die Schrift zum wichtigsten Medium der Gottesbegegnung. Dieser Übergang von Bild zu Schrift wird als entscheidender kultureller Wandel beschrieben. Die Heilige Schrift ersetzt die Kultbilder und verhindert die Verwechslung zwischen Darstellung und dargestellter Wirklichkeit.

Im Christentum kommt ein weiterer Medienwechsel hinzu. Neben der Schrift wird die Inkarnation zum zentralen Ausdruck der Gottesoffenbarung. Im Leben Jesu wird das göttliche Wort sichtbar und erfahrbar. Die Inkarnation zeigt, dass Ewigkeit und Zeit einander berühren können. Jesus steht somit im Zentrum einer Heilsgeschichte, in der Gott in die menschliche Geschichte eintritt.

Die frühe christliche Gemeinde verstand die Zeit nach Jesus als Zwischenzeit zwischen seiner Auferstehung und seiner erwarteten Wiederkunft. In der Liturgie und besonders in der Eucharistie wird die Gegenwart Christi immer wieder neu erfahren. Dadurch wird die Verbindung zwischen menschlicher Zeitlichkeit und göttlicher Ewigkeit symbolisch erfahrbar.

Der Artikel kritisiert schließlich bestimmte historische Vorstellungen vom Jenseits, etwa räumliche Vorstellungen von Himmel, Hölle oder Fegefeuer. Solche Bilder entstehen aus dem Versuch, geistliche Wirklichkeiten in zeitliche und räumliche Kategorien zu übersetzen. Theologisch angemessener sei es, die Ewigkeit nicht mit zeitlichen Maßstäben zu beschreiben. Ewigkeit könne nicht mit Kalendern oder Zeitrechnungen dargestellt werden.

Insgesamt zeigt der Artikel, dass Sprache eine zentrale Rolle für religiöses Denken spielt. Sie ermöglicht dem Menschen, über Zeit, Endlichkeit und Gott nachzudenken. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass religiöse Aussagen immer metaphorisch bleiben und auf eine Wirklichkeit verweisen, die über menschliche Vorstellungskraft hinausgeht.

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