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Eulenfisch

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Enthetzt Euch!

Veröffentlichung:1.1.2013

Der Fachartikel ist im Heft ru heute unter dem Titel „Enthetzt Euch!“ enthalten. Der vorliegende Text hat einen Umfang von ca. 2 Seiten. Der Artikel beschreibt, dass Menschen heute nicht einfach nur schnell leben, sondern oft zu schnell und dadurch dauerhaft unter Zeitdruck stehen. Im Mittelpunkt stehen vor allem theologisch anthropologische und sozialethische Probleme: der Umgang des Menschen mit Zeit, die Frage nach gutem Leben, die Kritik an einer Gesellschaft der Beschleunigung sowie die Sehnsucht nach Zeitwohlstand, Muße und menschlicher Würde.

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Der Artikel beschreibt, dass das eigentliche Problem der Gegenwart nicht das schnelle Handeln an sich ist, sondern die ständige Hetze. Menschen arbeiten, leben, lieben, sprechen und entscheiden immer häufiger in einem Tempo, das ihnen nicht gut tut. Dadurch entsteht ein chronisches Leiden an Zeitmangel. Zeit wird oft erst dann bemerkt, wenn technische Abläufe gestört sind und das gewohnte Funktionieren unterbrochen wird. Der Text kritisiert, dass Menschen viel Energie darauf verwenden, Zeit sparen zu wollen, obwohl die erhoffte gewonnene Zukunft nie wirklich eintritt.

Der Verfasser betont, dass nicht Entschleunigung die richtige Antwort sei, sondern Enthetzung. Es gehe nicht darum, alles langsamer zu machen, sondern darum, die zerstörerische Form von Eile und Dauerstress zu überwinden. Das könne nicht allein von einzelnen Personen geleistet werden, sondern sei eine gesellschaftliche Aufgabe. Eine Gesellschaft, die Wachstum, Leistung und Verfügbarkeit zum Maßstab macht, erzeugt notwendig Zeitnot. Deshalb ist die Frage nach einer guten Zeitkultur immer auch eine Frage nach der Bewohnbarkeit einer Gesellschaft.

Ein weiterer Gedanke des Artikels ist die Sehnsucht nach Zeitwohlstand. In modernen Gesellschaften gilt meist materieller Besitz als Zeichen von Wohlstand. Gleichzeitig gehört es aber auch zum gesellschaftlichen Status, keine Zeit zu haben. Gerade darin zeigt sich ein Widerspruch. Der Text macht deutlich, dass Reichtum oft mit Zeitarmut bezahlt wird. Zeitnot erscheint als Folge eines Lebens, das ganz auf Mehrung von Besitz, Leistung und Erfolg ausgerichtet ist. Zeit wird zu einer Ware und der Mensch richtet sich geschäftsmäßig auf sie aus.

Der Artikel kritisiert diese Entwicklung auch mit Blick auf wirtschaftliche Strukturen. Die moderne Beschleunigung wird als Folge einer kapitalistischen Logik beschrieben, in der Zeit vollständig ökonomisiert wird. Nicht nur Produktion, sondern auch Konsum, Bildung, Kultur und soziales Leben werden von der Herrschaft der Zeitökonomie bestimmt. Damit wächst die Sehnsucht nach einem anderen Leben, in dem Zeit nicht immer genutzt, kontrolliert und verwertet werden muss. Literatur wird als Raum genannt, in dem Menschen diese Sehnsucht nach Zeitsattheit und Muße wenigstens vorübergehend ausleben können.

Zwei erzählerische Beispiele verdeutlichen diese Gedanken. In der chassidischen Geschichte fragt ein Rabbi einen eilenden Mann, warum er seinem Erwerb nachjage. Die Pointe lautet, dass der Mensch vielleicht gerade vor dem flieht, was er sucht. So wird Hetze als Form der Flucht verstanden, auch als Flucht vor sich selbst und vor der eigenen Endlichkeit. Zeitwohlstand bedeutet demgegenüber, bei sich selbst anzukommen, mit sich in Ruhe zu leben und sich nicht ständig den wechselnden Umständen anpassen zu müssen.

Die zweite Geschichte spielt in einem besonders schnellen Zug. Ein Fahrgast soll einen Zuschlag zahlen, weil der Zug so schnell ist. Er antwortet gelassen, man könne dann doch einfach langsamer fahren. Diese Szene zeigt auf humorvolle Weise, was Zeitsouveränität bedeutet. Wer sich dem Diktat der Beschleunigung entziehen kann, besitzt ein Stück Zeitwohlstand.

Am Ende fordert der Artikel ein neues Verständnis von Wohlstand. Wirklicher Wohlstand ist nur dann echter Wohlstand, wenn er auch Zeitwohlstand einschließt. Menschen sollen Zeit nicht beherrschen wollen, sondern ihre Eigenzeiten wahrnehmen. Gemeint sind die natürlichen und sozialen Rhythmen des Lebens, die nicht beliebig beschleunigt werden können. Eine gute Zeitkultur pflegt Warten, Ruhe, Aufmerksamkeit und Muße. Sie achtet auf die Bedürfnisse von Menschen und schützt Zeiten, über die nicht verfügt wird. So wird Zeitwohlstand zur Voraussetzung eines gelingenden Lebens.

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Sekundarstufe II | 11/1 Was ist der Mensch?

11.1 / 2. Der Mensch und seine Mitmenschen.

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