Laut ‚Grundsatzerlass‘ von 1978 gehört es auch zur Aufgabe des Religionsunterrichts im österreichischen Schulsystem, Politische Bildung als Teil der Unterrichtsinhalte zu berücksichtigen. Der vorliegende Beitrag gibt Einblick in die Entwicklung und Implementierung des Unterrichtsprinzips Politische Bildung und thematisiert aktuelle Standpunkte aus Sicht der Politikdidaktik: Welche Aufgaben kommen dem Religionsunterricht in Hinblick auf die Vermittlung politischer Themen im Rahmen des Unterrichtsprinzips Politische Bildung zu? Herausforderungen und Problemfelder werden thematisiert, um das ‚Politische‘ im Religionsunterricht künftig kritisch weiterzuentwickeln. Historische Entwicklung: Das Unterrichtsprinzip Politische Bildung im österreichischen Schulsystem Seit dem ‚Grundsatzerlass‘ des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst von 1978, durch den die Politische Bildung als allgemeines Unterrichtsprinzip im österreichischen Schulsystem festgelegt wurde, gehört es auch zur Aufgabe des Religionsunterrichts, politische Themen als Teil der Unterrichtsinhalte zu berücksichti- 1 gen. Das Unterrichtsprinzip Politische Bildung geht von einer ‚Politikimmanenz‘ aller Wissensbereiche aus, dient als ein allgemeiner Grundsatz zur Gestaltung des Unterrichts im gesamten schulischen Fächerkanon und soll politische Urteils- und Handlungskompetenzen entwickeln. Bevor jedoch auf die Implementierung des Unterrichtsprinzips sowie dessen Herausforderungen und Problemfelder für den Religionsunterricht Bezug genommen wird, ist ein Blick auf die historische Entwicklung der Politischen Bildung im österreichischen Bildungswesen notwendig. Denn die Intentionen gesetzlicher Bestimmungen können nie ohne die zu ihrer Einführung vorherrschenden gesellschaftlichen Bedingungen verstanden werden. 2 Dies trifft insbesondere auf Reformen der (Politischen) Bildung zu. Die fehlende Aufarbeitung der nationalsozialistischen Diktatur nach Ende des Zweiten Weltkrieges hatte für die Politische Bildung in Österreich nachhaltige 3 Auswirkungen.