Der Artikel erklärt zunächst die Grundlagen des apokalyptischen Denkens. Der Begriff Apokalypse wird heute meist mit Katastrophen und Weltuntergang gleichgesetzt, ursprünglich bedeutet er jedoch Offenbarung. In der christlichen Theologie bezeichnete er zunächst eine literarische Gattung, vor allem im Anschluss an die Offenbarung des Johannes. Apokalyptik ist ein Krisenphänomen. Sie entsteht als religiöse Reaktion auf gesellschaftliche und politische Umbrüche. Ihr zentrales Kennzeichen ist die Deutung der Geschichte als linearer Prozess mit Anfang und Ende. Die Gegenwart wird als Zeit zunehmender Verschlechterung und Ordnungsverlust erlebt. Die gegenwärtige Krise gilt als letzte Phase vor dem endgültigen Eingreifen Gottes. Typisch ist der Dreischritt Krise Katharsis Heil. Die Katastrophe ist kein Endpunkt, sondern Übergang zur Erlösung. Ziel ist es, Hoffnung zu vermitteln und eine Glaubensentscheidung gegen den Augenschein der leidvollen Realität zu provozieren. Neben dieser hoffnungsvollen Variante gibt es auch eine negative Form ohne Heilsperspektive, die eher Reformdruck erzeugen will. Theologisch bedeutsam ist, dass das apokalyptische Denken das Heil nicht mehr innerhalb der Geschichte erwartet, sondern durch ein radikales Eingreifen Gottes von außen. Damit wird die bisherige Hoffnung auf Gottes Wirken in der bestehenden Welt relativiert.
Im zweiten Teil beschreibt der Artikel die Anfänge der Apokalyptik im antiken Judentum. Ihre Entstehung ist eng mit den politischen Krisen durch Hellenisierung und Fremdherrschaft verbunden. Besonders prägend war die Verfolgung unter Antiochos dem Vierten im zweiten Jahrhundert vor Christus. Die Leiden frommer Juden führten zur Theodizeefrage, also zur Frage nach Gottes Gerechtigkeit angesichts unschuldigen Leidens. Apokalyptische Schriften entwickelten Deutungsmuster, um diese Krise theologisch zu bewältigen. Sie enthalten Visionen, Traumoffenbarungen und symbolische Bilder vom Weltende. Zentrale Themen sind Erlösung, Wiederherstellung Israels, Gericht und Auferstehung. Die Apokalyptik knüpft an die Prophetie an, unterscheidet sich jedoch dadurch, dass sie das Heil nicht mehr als innergeschichtliches Handeln Gottes versteht, sondern als radikalen Neubeginn nach dem Ende der gegenwärtigen Welt. Auch Einflüsse aus persischen und anderen Kulturen werden angenommen.
Im dritten Teil zeigt der Artikel die Rezeption der Apokalyptik im frühen Christentum. Das Christentum übernahm viele apokalyptische Motive aus dem Judentum. Die Deutung von Kreuz und Auferstehung Jesu geschah im Horizont jüdischer Eschatologie. Die Erwartung des nahen Weltendes und der allgemeinen Auferstehung gehört zu den Grundlagen des frühchristlichen Glaubens. Entscheidender Unterschied zur jüdischen Apokalyptik ist, dass die Christen die Heilswende bereits als geschehen betrachteten, nämlich in der Auferstehung Jesu. Die Offenbarung des Johannes interpretiert die Gegenwart im Licht des bevorstehenden Endes und ruft zu Distanz gegenüber der heidnischen Umwelt auf. Apokalyptische Vorstellungen dienten immer wieder dazu, Krisenzeiten im Christentum zu deuten.
Der letzte Teil widmet sich der Gegenwartskultur. Heute wird der Begriff Apokalypse meist säkular gebraucht und bezeichnet globale Katastrophen, die der Mensch selbst verursacht. Dabei fehlt oft die Heilsperspektive. Weltuntergangsszenarien in Musik, Jugendkultur und Film greifen Motive der biblischen Apokalyptik auf, lösen sie jedoch aus ihrem theologischen Zusammenhang. Während die säkulare Apokalyptik meist nur Untergang kennt, enthält die christliche Apokalyptik eine Hoffnungsperspektive. Sie versteht das Ende nicht als Vernichtung, sondern als Übergang in eine neue von Gott geschaffene Wirklichkeit. Damit bietet sie einen Ansatz zur Überwindung von Weltangst durch eine sinnstiftende Hoffnung.