Welche Emotionen werden im evangelischen Religionsunterricht thematisiert – und welche nicht? Der vorliegende Artikel beantwortet diese Frage durch eine systematische Analyse ausgewählter Lehrpläne und Schulbücher. Emotionen sind grundlegend für menschliches Erleben und Lernen. Sie beeinflussen unsere Wahrnehmung, unser Denken und unsere Handlungen und sind eng mit existenziellen Fragen und Identitätserfahrungen verknüpft. Der Religionsunterricht mit seinen Lerngegenständen – Sinnfragen, Werteinstellungen, Lebensdeutung, menschliche Existenz – berührt unweigerlich emotionale Dimensionen. Doch wie wird dies in den Lehrplänen und Schulbüchern tatsächlich abgebildet?
Der Artikel präsentiert eine erste empirische Untersuchung zu diesem bislang unterbelichteten Feld. Die Autorin oder der Autor entwickelt zunächst ein methodisches Rahmenwerk zur Kodierung von Emotionen und unterscheidet dabei zwischen Basis- und sozialen Emotionen sowie zwischen expliziter und impliziter Thematisierung. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Unterscheidung von „Emotion" und „Gefühl" sowie der Frage, welche emotionalen Zustände relevant sind und welche nicht.
Die Ergebnisse offenbaren Disparitäten: Angst wird relativ häufig angesprochen, Freude hingegen überraschend selten. Zudem zeigt sich, dass die bloße Behandlung emotionsgeladener Themen nicht automatisch zu einer Thematisierung emotionaler Dimensionen führt. Der Artikel plädiert abschließend für eine Intensivierung der Forschung zu emotionalen Themen und Dimensionen in der Religionspädagogik – und damit für eine stärkere Berücksichtigung der emotionalen Wirklichkeit von Lernenden im Unterricht.