Der Artikel beschreibt Tiere im Islam als Geschöpfe des einen Schöpfergottes. Weil Gott gut ist, ist auch seine Schöpfung gut, also auch die Tiere. Gott sorgt für ihren Unterhalt und weist ihnen einen Platz in der Schöpfung zu. Der Mensch darf Tiere nutzen, etwa zur Ernährung, als Lasttiere oder zu seinem sonstigen Wohl. Gleichzeitig ist er nicht ihr uneingeschränkter Herr, sondern Gottes Stellvertreter auf Erden. Daraus ergibt sich eine besondere Verantwortung. Der Mensch ist Treuhänder der Schöpfung und darf Tiere deshalb nicht willkürlich ausbeuten oder quälen.
Der Artikel macht deutlich, dass Tiere im Koran nicht nur nützliche Wesen sind, sondern auch eine religiöse Bedeutung besitzen. Sie loben Gott, werfen sich vor ihm nieder und stehen in einer eigenen Beziehung zum Schöpfer. Selbst die Biene wird im Koran als ein Wesen dargestellt, dem Gott Weisung gibt. Daraus lässt sich eine gewisse Würde der Tiere ableiten, auf die sich moderne islamische Tierethik stützen kann. Auch die islamische Tradition kennt Überlieferungen, in denen Freundlichkeit gegenüber Tieren als gute Tat gilt und belohnt wird.
Zugleich zeigt der Beitrag, dass die Nutzung von Tieren im Islam klar geregelt ist. Besonders wichtig ist das rituelle Tieropfer am Opferfest in Erinnerung an Abraham. Für den Verzehr erlaubt sind Tiere nur dann, wenn sie nach islamischen Regeln geschlachtet wurden. Dabei spielt das Schächten eine zentrale Rolle. Das Tier soll unter Anrufung Gottes geschlachtet werden und möglichst wenig leiden. In der Tradition finden sich daher auch Hinweise auf einen achtsamen Umgang mit Schlachttieren. So soll die Klinge scharf sein, das Tier vorher getränkt werden und nicht vor anderen Tieren geschlachtet werden. Dennoch bleibt hier eine theologisch und ethisch bedeutsame Spannung bestehen, weil Tiere einerseits geschützt werden sollen, andererseits aber für religiöse und menschliche Zwecke getötet werden dürfen.
Ein weiterer Schwerpunkt des Artikels ist die Unterscheidung zwischen reinen und unreinen Tieren. Reine Tiere dürfen gegessen und genutzt werden, unreine Tiere dagegen nicht. Zu den verbotenen Tieren gehört besonders das Schwein. Auch andere Tiere wie Raubtiere, Reptilien oder der Hund gelten als problematisch oder rituell unrein. Der Artikel betont jedoch, dass diese Einteilung keiner klaren naturwissenschaftlichen Systematik folgt, sondern religiös geprägt ist. Der Hund erscheint dabei nicht nur negativ, sondern kann in Erzählungen und mystischen Überlieferungen auch eine positive Rolle spielen.
Der Beitrag zeigt außerdem, dass Tiere im Koran und in der islamischen Überlieferung häufig symbolisch oder erzählerisch wichtig sind. Mehrere Suren tragen Tiernamen. Tiere können im Koran sprechen, göttliche Botschaften vermitteln oder Menschen etwas lehren. Eine Ameise warnt, ein Wiedehopf überbringt Nachrichten und ein Fisch rettet den Propheten Jona. Diese Beispiele machen deutlich, dass Tiere in der islamischen Tradition nicht bloß passive Geschöpfe sind, sondern als bedeutsame Akteure erscheinen.
Auch in der Biographie Muhammads und in der islamischen Frömmigkeit spielen Tiere eine große Rolle. Besonders wichtig sind Kamele und Pferde sowie das wundersame Reittier Buraq, das mit der Nachtreise Muhammads verbunden ist. Eine besondere Wertschätzung erfährt außerdem die Katze. In mehreren Überlieferungen wird erzählt, dass der Prophet liebevoll mit Katzen umging. Die Katze gilt im Islam im Unterschied zum Hund als rituell rein. Fürsorglicher Umgang mit Katzen wird belohnt, schlechte Behandlung dagegen bestraft. Gleichzeitig zeigt die islamische Dichtung auch ambivalente Seiten der Katze, sodass sie nicht nur positiv erscheint.
Am Ende wird deutlich, dass der Islam Tiere einerseits als zum Nutzen des Menschen geschaffen ansieht, ihnen andererseits aber auch Würde, Eigenwert und eine Beziehung zu Gott zuspricht. Daraus ergibt sich eine Ethik der Verantwortung. Der Mensch darf Tiere gebrauchen, aber nicht missbrauchen. Der Artikel macht damit deutlich, dass islamische Tierethik zwischen Nutzen, Schutz, religiöser Ordnung und Mitverantwortung für die Schöpfung vermittelt.