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Eulenfisch

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Im Abgrund der Gier

Veröffentlichung:1.1.2015

Nach dem vorliegenden Auszug ist der Fachartikel unter dem Titel „Im Abgrund der Gier“ veröffentlicht. Die sichtbaren Seiten umfassen S. 70 bis 74, also fünf Seiten. Der Beitrag zeigt, wie Walton Fords Tierbilder menschliche Abgründe spiegeln und für theologische Deutungen fruchtbar werden. Behandelt werden dabei vor allem die theologischen Probleme des Menschenbildes, des Verhältnisses von Mensch und Natur, der Auslegung des Schöpfungsauftrags, der Frage nach Macht und Verantwortung, der Grenzen von Gier, Sexualität und Gewalt sowie der Gegensatz von göttlicher Liebe und menschlicher Herrschaftslogik.

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Der Artikel deutet die Tierbilder Walton Fords als weit mehr als naturalistische Tierdarstellungen. Obwohl seine Werke auf den ersten Blick wie präzise, farbintensive und wissenschaftlich anmutende Naturbilder erscheinen, entfalten sie bei genauerem Hinsehen eine verstörende und metaphorische Kraft. Die Bilder zeigen Tiere, verweisen aber in Wahrheit auf menschliches Verhalten. Die Autorin versteht Walton Fords Kunst deshalb als Einladung, hinter der sichtbaren Oberfläche menschliche Gier, Gewalt, Machtlust und Zerstörung zu erkennen. Seine Kunst macht deutlich, dass Betrachtung allein nicht genügt, sondern in Deutung, Selbstbefragung und theologische Reflexion übergehen muss.

Ein erstes zentrales Motiv des Artikels ist die maßlose Gier. Am Beispiel des Bildes „The Starling“ wird gezeigt, wie Ford den natürlichen Kreislauf des Fressens und Gefressenwerdens ins Absurde steigert. Der übergroße Star erscheint als grenzenlos gieriges Wesen, das weit über die realen Verhältnisse der Natur hinausgeht. Dadurch wird das Tierbild zu einer Metapher für den Menschen, dessen Hunger nicht nur dem Überleben dient, sondern oft in Maßlosigkeit, Zerstörung und Gewalt umschlägt. Die Autorin stellt diesem Bild den biblischen Schöpfungsbericht gegenüber, in dem die Lebewesen als gut und von Gott gewollt beschrieben werden. So entsteht die theologische Leitfrage, wie die biblische Sicht auf die Schöpfung mit der erfahrbaren Härte der Natur und vor allem mit der zerstörerischen Gier des Menschen zusammenzudenken ist.

Dabei betont der Artikel, dass vieles an der Deutung von Natur vom jeweiligen Menschenbild abhängt. Entscheidend sei außerdem, wie biblische Texte übersetzt werden. Die Autorin kritisiert besonders die herrschaftsorientierte Übersetzung des Schöpfungsauftrags. Im hebräischen Urtext erscheine der Mensch nicht als willkürlicher Herrscher, sondern eher als sorgender Gärtner, der die Erde und ihre Lebewesen aufmerksam und verantwortungsvoll behandelt. Dieses Verständnis steht im Kontrast zu einer Geschichte menschlicher Naturbeherrschung, in der die Erde gewaltsam zugerichtet wird. Verstärkt werde diese Haltung durch ein grob verstandenes Evolutionsdenken, das den Kampf ums Überleben absolut setzt. Dagegen hebt die Autorin hervor, dass der Mensch gerade aufgrund seiner Fähigkeit zu Vernunft, Rücksicht und Verantwortung nicht einfach in biologischen Zwängen aufgehen dürfe.

Ein zweiter Deutungsschwerpunkt ist die Sexualität. An Bildern wie „Au Revoir Zaire“ zeigt der Artikel, dass Ford Sexualität nicht romantisch oder harmonisch darstellt, sondern als einen Bereich, in dem Lust, Tod und Gewalt ineinander greifen. Das begattete Tier gerät zugleich in eine tödliche Falle, die von Menschen gestellt wurde. So wird deutlich, dass der Mensch selbst die natürlichen Prozesse von Zeugung und Leben brutal unterbricht. Die Autorin verbindet diese Bilddeutung mit einem kultur und religionsgeschichtlichen Blick auf den Umgang mit Sexualität. Sie erinnert daran, dass Gesellschaften und Religionen Regeln entwickelt haben, um Lust, Fortpflanzung und Verantwortung zu ordnen. Dabei seien häufig auch rigide und unterdrückende Modelle entstanden. Trotzdem würdigt der Text moralische Regeln grundsätzlich als notwendigen Schutzraum, damit Sexualität nicht zerstörerisch entgrenzt wird. Walton Fords Bilder machen sichtbar, wie Sexualität ohne Verantwortung in einen Abgrund führt.

Ein drittes großes Thema des Artikels ist das Verhältnis von Macht und Unterwerfung. Im Bild „Chingado“ und besonders in „The Debt to Pleasure“ werden Tiere als Opfer von Gefangenschaft, Erniedrigung und Gewalt gezeigt. Diese Darstellungen verweisen erneut auf menschliche Verhältnisse. Macht erscheint hier nicht als verantwortliche Gestaltung, sondern als sadistische Beherrschung. Die gefesselte Meerkatze, die auf Büchern sitzt und zugleich hilflos fixiert ist, wird zum Sinnbild einer Kultur, die äußerlich zivilisiert wirkt, innerlich aber von Grausamkeit geprägt ist. Die Autorin liest diese Bilder als schonungslose Diagnose des Menschen, der andere Lebewesen quält, kontrolliert und ihrer Freiheit beraubt.

Theologisch kontrastiert der Artikel diese Machtbilder mit dem biblischen Verständnis von Gottes Macht. Zwar kenne auch die Bibel Texte von Kampf und Vernichtung, doch dürften diese nicht willkürlich als Rechtfertigung menschlicher Gewalt verwendet werden. Maßgeblich sei vielmehr, dass Gottes Macht als liebevolle Zuwendung, Geduld und Begleitung verstanden werde. Die zentrale Linie der Bibel sei nicht brutale Herrschaft, sondern Gnade, Barmherzigkeit und Hoffnung. In diesem Zusammenhang deutet die Autorin auch den Begriff des Gehorsams neu. Im hebräischen Denken gehe es ursprünglich stärker um Hören und Verstehen als um blinde Unterwerfung. Wahres menschliches Verhalten entstehe dort, wo der Mensch Gottes Liebe erkennt und aus freier Einsicht selbst liebevoll handelt. Gerade darin unterscheide sich menschliche Existenz von einem bloßen Naturmechanismus.

Insgesamt versteht der Artikel Walton Fords Kunst als Spiegel menschlicher Selbstverfehlung. Die Tierbilder legen offen, wie tief Gier, Machtlust, Gewalt und Maßlosigkeit den Menschen prägen. Zugleich bleibt der Text nicht bei Kulturkritik stehen. Er eröffnet einen theologischen Hoffnungshorizont, indem er den Menschen auf seine Fähigkeit zu Einsicht, Verantwortung und Barmherzigkeit verweist. Die Bilder führen in den Abgrund, aber sie zwingen gerade dadurch zur Frage, ob und wie der Mensch anders leben kann. Darin liegt nach der Autorin ihre bleibende religiöse und pädagogische Bedeutung.

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