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Eulenfisch

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Das Tier hat auch etwas Heiliges

Veröffentlichung:1.1.2015

Der vorliegende Fachartikel ist im Heft ru heute enthalten. Ein eigener Artikeltitel ist im bereitgestellten Auszug nicht ausdrücklich sichtbar. Der abgedruckte Text umfasst S. 76 bis 80 und damit fünf Seiten. Inhaltlich geht es um Heinrich Deterings Gedichtband „Wundertiere“ und um die Frage, wie Tiere in der Dichtung zu Chiffren des Heiligen, des Fremden und des verletzbaren Lebendigen werden. Der Artikel behandelt dabei vor allem theologische Probleme wie die Schöpfung und Geschöpflichkeit, die Grenzen menschlicher Sprache, die Benennung als Herrschaft, das Verhältnis von Mensch und Tier, die Passion Christi, die Sakramentalität der Wirklichkeit sowie die Frage, wie in poetischer Sprache Transzendenz und Heiligkeit erfahrbar werden.

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Der Artikel ist als Interview mit Heinrich Detering gestaltet und erschließt seinen Gedichtband „Wundertiere“ aus literarischer und theologischer Perspektive. Im Zentrum steht die Frage, warum Tiere in der neueren Dichtung eine so wichtige Rolle spielen. Detering widerspricht der Annahme, die Hinwendung zum Tierischen sei einfach Ausdruck eines Unbehagens am Menschen. Vielmehr erklärt er, dass Tiere in der modernen und gegenwärtigen Literatur als das Andere wahrgenommen werden. Sie stehen für das Fremde, Unverfügbare und Verletzbare. In diesem Sinn können Tiere auch etwas Heiliges verkörpern, gerade weil der Mensch ihnen Gewalt antut und ihre Andersheit oft nicht respektiert.

Ein wichtiges Beispiel ist das Gedicht „adamitisch“. Darin greift Detering die biblische Szene auf, in der Adam den Tieren Namen gibt. Im Gedicht erscheint dieser Benennungsakt nicht als souveräne Herrschaft über die Welt, sondern als Selbstgespräch des Menschen. Adam benennt die Tiere, doch sie entziehen sich seiner Sprache und gehen unbeirrt weiter. Damit wird die Vorstellung kritisiert, Sprache könne das Lebendige vollständig erfassen oder beherrschen. Die Tiere bleiben dem Menschen fremd. Zugleich zeigt das Gedicht, dass der Mensch sich durch seine Begriffe auch selbst einsperrt. Sprache wird so nicht nur zum Mittel der Ordnung, sondern auch zur Grenze.

Aus dieser Beobachtung entwickelt Detering eine grundsätzliche Kritik an festlegenden und verdinglichenden Sprachformen, wie sie auch in wissenschaftlicher Nomenklatur vorkommen können. Dichtung erscheint demgegenüber als Gegenbewegung. Sie soll das Lebendige nicht einkapseln, sondern seine Individualität und sein Geheimnis offenhalten. Tiere eignen sich dafür besonders, weil sie einerseits anschaulich sind und andererseits immer fremd bleiben. So werden sie zu poetischen Zeichen für das Mysterium des Lebens.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs geht es um die Grenzen der menschlichen Selbstbezogenheit. Detering betont, dass der Mensch versucht, mit anderen Lebewesen, mit den Toten und mit der Schöpfung in Beziehung zu treten, dabei aber immer wieder in die eigene Sprache zurückfällt. Das Gespräch droht zum Monolog zu werden. Anhand eines Gedichts von Theodor Storm erläutert er, dass der Mensch zwar die Stimmen der Welt hören kann, aber oft ausgeschlossen bleibt aus ihrem eigentlichen Zusammenhang. Tiere stehen deshalb auch für die Erfahrung, dass die Welt nicht vollständig auf den Menschen bezogen ist.

Der Artikel arbeitet deutlich heraus, dass diese poetische Tierwahrnehmung eng mit theologischen Fragen verbunden ist. Detering sagt ausdrücklich, dass das Tier die eigene Geschöpflichkeit des Menschen spürbar macht, aber eben nicht die eigene, sondern eine andere Geschöpflichkeit. Gerade darin liegt seine Bedeutung. Die Tiere erinnern daran, dass der Mensch nicht Herr der Schöpfung ist, sondern Teil eines größeren Zusammenhangs.

Besonders wichtig ist der Bezug auf christliche Motive. Im Gedicht „Golgatha, kleine Vögel“ verbindet Detering die Passion Jesu mit einer Legende aus den Kindheitsevangelien, in der das Jesuskind Vögeln Leben schenkt. Das Gedicht stellt damit Schöpfung, Wundertätigkeit, Leid und Tod in einen Zusammenhang. Einerseits steht das Bild des lebenspendenden Christus im Raum, andererseits das Bild des gekreuzigten und den Vögeln preisgegebenen Jesus. Detering erklärt, dass in dieser Verbindung eine theologische Wahrheit sichtbar werden kann, die nicht argumentativ hergeleitet, sondern poetisch erschlossen wird. Das Gedicht wird so selbst zu einer Form des Zeugnisses.

Im Gespräch wird außerdem deutlich, dass Detering Poesie als Möglichkeit versteht, Trauer und Verlust eine Stimme zu geben. Gedichte sollen um jene trauern, die keine eigene Stimme mehr haben, und um den Verlust von Schöpfungsfülle. Diese Aufgabe verbindet die Tiergedichte mit den Kindheitsgedichten des Bandes. Auch Kinder erscheinen als verletzliche, staunende Wesen, an denen das Wunder des Lebendigseins besonders sichtbar wird. Ihre Unschuld, ihre Offenheit und ihre Gefährdung stehen in enger Beziehung zu den Tiermotiven.

Ein weiterer Schwerpunkt des Interviews ist das Verhältnis von Sprache und Transzendenz. Detering beschreibt sich selbst als sprachverbunden, betont aber zugleich, dass Sprache immer auf etwas verweist, das außerhalb ihrer selbst liegt. Sie kann deshalb nie das Letzte sein. Theologisch verdichtet sich dieser Gedanke in seiner Deutung des Sakraments. In der Eucharistie bauen Worte eine Brücke in ein Geschehen hinein, das über Sprache hinausgeht. Dort wird Kommunikation nicht aufgehoben, aber in eine leibliche und geistliche Wirklichkeit überführt. Diese Vorstellung prägt auch seine Gedichte. Sie sollen Wahrnehmungsräume öffnen, in denen Welt und Schöpfung neu erfahren werden können.

Am Ende steht die Einsicht, dass selbst grotesk oder unscheinbar wirkende Tiere Hinweise auf göttlichen Ursprung und geschöpfliche Würde sein können. Nicht das Tier ist grotesk, sondern häufig die menschliche Wahrnehmung. Gedichte können helfen, diese Wahrnehmung zu verwandeln. Der Artikel zeigt deshalb insgesamt, dass Deterings „Wundertiere“ literarisch, anthropologisch und theologisch gelesen werden können. Tiere erscheinen in ihnen als Zeichen des Lebendigen, des Fremden, des Heiligen und der verletzlichen Schöpfung. Die Poesie wird dabei zu einem Ort, an dem der Mensch lernt, die Welt nicht nur zu benennen, sondern staunend wahrzunehmen.

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