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Eulenfisch

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Sprechende Architektur

Veröffentlichung:1.1.2016

Der Fachartikel „Sprechende Architektur“ von August Heuser ist im Heft ru heute erschienen und umfasst etwa 6 Seiten. Der Beitrag zeigt anhand von fünf Kirchen im Bistum Limburg, wie Kirchenarchitektur theologische Entwicklungen und Frömmigkeitsformen verschiedener Epochen widerspiegelt. Thematisiert werden insbesondere Veränderungen des Kirchenverständnisses, liturgische Entwicklungen, Eucharistiefrömmigkeit, Kirchenbau nach der Säkularisation, sowie die Auswirkungen des Zweiten Vatikanischen Konzils auf Architektur und Liturgie.

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Der Artikel beschreibt die Geschichte und Theologie des Kirchenbaus im Bistum Limburg anhand von fünf exemplarischen Kirchen. Ausgangspunkt ist die Gründung des Bistums Limburg im Jahr 1827. Diese erfolgte nach der Säkularisation, die durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 ausgelöst wurde. Die Kirche hatte damals große Teile ihres Besitzes verloren und musste ihre Seelsorge und Organisation neu aufbauen. Der erste Limburger Bischof Jakob Brand übernahm daher eine schwierige Aufgabe. Gemeinden mussten neu organisiert und Kirchen gebaut werden, während gleichzeitig finanzielle Mittel fehlten.

Die Kirche St. Johannes Baptist in Bad Homburg Kirdorf zeigt die Suche nach einem neuen Kirchenbaustil im 19. Jahrhundert. Der Bau entstand im Rundbogenstil und verbindet Elemente des Klassizismus mit Formen, die an romanische Architektur erinnern. Diese Mischung zeigt die Orientierung der damaligen Architektur zwischen Tradition und neuen kulturellen Strömungen. Später erhielt die Kirche eine besondere Ausmalung im Stil des Jugendstils durch den Künstler Augustin Kolb. Die Darstellungen greifen zentrale christliche Themen wie die Dreifaltigkeit und die Sakramente auf und verbinden dekorative Elemente mit religiöser Symbolik.

Ein Beispiel für neugotischen Kirchenbau ist die Kirche St. Mauritius in Frankfurt Schwanheim. Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet und zeichnet sich durch einen hohen Turm und eine repräsentative Architektur aus. Besonders bemerkenswert ist der Hochaltar, der von lokalen Künstlern gestaltet wurde. Die Figuren des Altares zeigen wichtige Heilige sowie Christus am Kreuz. Der Bau spiegelt eine Zeit wider, in der im Bistum Limburg ein künstlerischer und spiritueller Aufbruch stattfand. Gleichzeitig wurde die Eucharistie stärker in den Mittelpunkt der Frömmigkeit gestellt. Der Kirchenbau und seine Ausstattung waren Ausdruck gemeinschaftlichen Engagements der Gemeinde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderten sich Architektur und Liturgie erneut deutlich. Die Kirche Maria Hilf in Frankfurt steht für diese neue Phase. Sie wurde 1951 als einfacher Hallenbau errichtet, der sich bewusst an der Form einer Industriehalle orientiert. Die schlichte Architektur sollte die Situation der Nachkriegszeit widerspiegeln. Gleichzeitig wurde der Altar frei im Raum aufgestellt, was die Bedeutung der liturgischen Gemeinschaft hervorhob. Künstlerische Werke moderner Künstler wie Hans Leistikow ergänzten später den Innenraum. Diese Kirche zeigt, wie moderne Kunst und liturgische Reformen miteinander verbunden wurden.

Ein weiteres Beispiel ist die Kirche St. Mauritius in Wiesbaden, die Ende der 1960er Jahre entstand. Ihre Architektur wurde stark vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägt. Der Kirchenraum besteht aus einer klar strukturierten Betonskulptur mit einfachen geometrischen Formen. Die Gestaltung verzichtet bewusst auf dekorativen Schmuck und betont stattdessen die Einheit von Raum, Farbe und Liturgie. Der Kirchenbau soll sichtbar machen, dass Kirche als Gemeinschaft unterwegs ist und sich auf das Wesentliche konzentriert.

Die jüngste Kirche im Artikel ist St. Edith Stein auf dem Campus Riedberg der Universität Frankfurt. Sie wurde 2016 geweiht und versteht sich als Ort des Dialogs zwischen Wissenschaft und Glaube. Die Kapelle ist bewusst klein und schlicht gestaltet. Der sakrale Raum tritt architektonisch zurück und wirkt fast versteckt innerhalb des Gebäudekomplexes. Diese Gestaltung verweist auf die veränderte gesellschaftliche Situation der Kirche, die heute oft nur noch eine kleine Rolle im öffentlichen Raum einnimmt.

Insgesamt zeigt der Artikel, dass Kirchengebäude nicht nur architektonische Bauwerke sind, sondern Ausdruck theologischer Vorstellungen und religiöser Praxis. Jede Epoche entwickelt eigene Formen, um Glauben sichtbar zu machen. Architektur wird damit zu einer Art Sprache, in der sich Geschichte, Spiritualität und gesellschaftliche Veränderungen der Kirche widerspiegeln.

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