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Das Wirkliche und das Unwirkliche

Veröffentlichung:1.1.2017

Der Fachartikel ist im Heft ru-heute unter dem Titel „Das Wirkliche und das Unwirkliche“ von Holger Zaborowski erschienen und umfasst etwa 5 Seiten. Der Artikel behandelt grundlegende theologische und philosophische Probleme der Wirklichkeitserkenntnis. Dazu gehören die Fragen nach dem Unterschied zwischen Wirklichkeit und Schein, nach der Möglichkeit von Gewissheit angesichts radikalen Zweifels sowie nach der Bedeutung von anderen Menschen, Welt und Gott für die Erfahrung von Wirklichkeit. Der Autor zeigt, dass reine Vernunft den Zweifel nicht endgültig überwinden kann. Gewissheit entsteht vielmehr in der Begegnung mit dem anderen Menschen, in Erfahrungen von Welt und Schönheit sowie im Glauben an Gott als Schöpfer.

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Der Artikel beschäftigt sich mit der Frage, wie Menschen erkennen können, was wirklich ist. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass der Begriff der Wirklichkeit eine besondere Logik besitzt. Menschen können nicht nur über Wirkliches nachdenken, sondern auch über Unwirkliches. Dazu gehören Dinge, die möglich sind, aber noch nicht existieren, sowie Dinge, die niemals existieren können. Außerdem lassen sich Wirklichkeit, Fiktion und virtuelle Wirklichkeiten voneinander unterscheiden. Wirklichkeit bezeichnet den Bereich dessen, was tatsächlich ist.

Der menschliche Geist kann jedoch die Grenze zwischen Wirklichem und Unwirklichem gedanklich überschreiten. Menschen stellen sich alternative Lebensverläufe vor oder denken über Möglichkeiten nach, die nicht eingetreten sind. Dadurch kann Unsicherheit entstehen. Manchmal zeigt sich auch, dass etwas, das zunächst für wirklich gehalten wurde, in Wahrheit ein Irrtum ist. Dadurch stellt sich die Frage, wie sich Schein und Wirklichkeit unterscheiden lassen.

Diese Fragen führen zu grundsätzlichen Zweifeln. Wenn menschliche Wahrnehmung immer von Deutungen abhängt, könnte das, was Menschen Wirklichkeit nennen, lediglich eine Interpretation sein. Es wäre denkbar, dass das scheinbar Wirkliche in Wahrheit nur eine Form von Schein oder Traum ist. Solche Überlegungen erinnern an philosophische Gedankenexperimente, in denen gefragt wird, ob die gesamte Wirklichkeit vielleicht nur ein Traum sein könnte.

Der Philosoph René Descartes hat einen solchen radikalen Zweifel formuliert. Er versuchte jedoch, durch diesen Zweifel eine sichere Grundlage des Wissens zu finden. Diese fand er im Gedanken „Ich denke, also bin ich“. Wer zweifelt, muss zumindest denken, und daraus folgt die Gewissheit der eigenen Existenz. Gleichzeitig führt diese Perspektive dazu, dass die Wirklichkeit stark vom denkenden Subjekt her verstanden wird. In der neuzeitlichen Philosophie wird Wirklichkeit deshalb häufig vom Bewusstsein des Menschen aus gedacht.

In der modernen und besonders in der postmodernen Philosophie wird auch dieses Denken kritisch hinterfragt. Wissenschaftliche Erkenntnisse aus Biologie, Psychologie oder Neurowissenschaften stellen die Autonomie des Subjekts in Frage. Dadurch entsteht eine Situation, in der sogar die Gewissheit über das eigene Ich unsicher wird. Manche Denker sprechen deshalb vom Tod des Subjekts. In einer solchen Perspektive könnte auch die Idee einer objektiven Wirklichkeit zerbrechen und durch individuelle Meinungen ersetzt werden.

Der Autor zeigt jedoch, dass der radikale Zweifel theoretisch nicht endgültig aufgelöst werden kann. Reines Denken erreicht keine endgültige Gewissheit über die Wirklichkeit. Der Versuch, allein durch das Denken Sicherheit zu gewinnen, kann sogar zu Verzweiflung führen. Deshalb stellt sich die Frage, ob Gewissheit vielleicht auf eine andere Weise erfahren wird.

Eine solche Gewissheit zeigt sich nach Ansicht des Autors in grundlegenden menschlichen Erfahrungen. Eine erste Erfahrung ist die Begegnung mit anderen Menschen. Menschen leben immer in Beziehungen. Im Blick des anderen Menschen erfahren sie eine Wirklichkeit, die nicht einfach ein Produkt des eigenen Denkens ist. Der andere Mensch fordert Anerkennung und Verantwortung. Diese Anerkennung ist nicht nur eine theoretische Erkenntnis, sondern zugleich eine moralische Haltung.

Auch Erfahrungen in der Natur oder in der Kunst können Wirklichkeit erschließen. Besonders Erfahrungen von Schönheit können Menschen so stark berühren, dass sie den radikalen Zweifel relativieren. Schönheit wird nicht nur subjektiv empfunden, sondern als etwas erfahren, das dem Menschen begegnet und ihn anspricht.

Schließlich nennt der Autor den Glauben an Gott als eine weitere Dimension der Wirklichkeitserfahrung. Wer an Gott als Schöpfer glaubt, versteht die Welt als von Gott gewollte Wirklichkeit. In dieser Perspektive erhält die Wirklichkeit ihren Ursprung und ihre Bedeutung. Der Zweifel kann zwar theoretisch bestehen bleiben, doch im Glauben verliert er seine letzte Macht.

Der Artikel kommt zu dem Ergebnis, dass Wirklichkeit nicht allein durch abstraktes Denken erkannt wird. Gewissheit entsteht vielmehr in konkreten Erfahrungen. Besonders die Begegnung mit anderen Menschen, die Erfahrung von Welt und Schönheit sowie der Glaube an Gott zeigen Wirklichkeit als etwas, das dem Menschen gegeben ist. Diese Erfahrungen setzen dem radikalen Zweifel eine Grenze. Zugleich bleibt es ein grundlegendes Wunder, dass überhaupt etwas existiert und nicht vielmehr nichts.

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