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Münchner Theologische ZeitschriftLudger Honnefelder

Münchner Theologische Zeitschrift,

Ludger Honnefelder

Warum wir sollen, was wir sollen

Veröffentlichung:1.5.2026

Die Frage „Warum wir sollen, was wir sollen“ macht – im Licht der Philosophie gestellt – gleichsam ‚Glanz und Elend‘ der Moral sichtbar. Denn sie lässt die Evidenz erkennen, die das Projekt der Moral konstituiert und bestimmt, verweist aber zugleich auf die Präsuppositionen, die damit verbunden sind und die über das Projekt der Moral hinaus auf ‚letzte Sinnannahmen‘ verweisen, unter denen die auf Glauben sich gründende Überzeugungen eine besondere Stelle einnehmen.1 Die Frage, warum wir sollen, was wir sollen, oder wie es prägnanter im Englischen heißt: Why be moral?, gehört zu den Fragen, die mehr als eine Frage enthalten und auf die sich nicht antworten lässt, ohne zuvor zu fragen, wonach gefragt ist und was die Frage selbst bereits voraussetzt.

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Die Frage „Warum wir sollen, was wir sollen“ macht – im Licht der Philosophie gestellt – gleichsam ‚Glanz und Elend‘ der Moral sichtbar. Denn sie lässt die Evidenz erkennen, die das Projekt der Moral konstituiert und bestimmt, verweist aber zugleich auf die Präsuppositionen, die damit verbunden sind und die über das Projekt der Moral hinaus auf ‚letzte Sinnannahmen‘ verweisen, unter denen die auf Glauben sich gründende Überzeugungen eine besondere Stelle einnehmen.1 Die Frage, warum wir sollen, was wir sollen, oder wie es prägnanter im Englischen heißt: Why be moral?, gehört zu den Fragen, die mehr als eine Frage enthalten und auf die sich nicht antworten lässt, ohne zuvor zu fragen, wonach gefragt ist und was die Frage selbst bereits voraussetzt. In der Kürze der Zeit und zur Eröffnung des Gesprächs, das folgen und in eine Reflexion über den Zusammenhang von Ethik und Theologie münden soll, möchte ich mich darauf beschränken, aus philosophischer Sicht eine Art Landkarte der Fragen und Aspekte zu skizzieren, zu denen unsere Leitfrage Anlass gibt. Beginnen wir mit dem Umstand, dass die Frage, warum wir sollen, was wir sollen, bereits als Frage voraussetzt, was nur schwer zu bestreiten ist, dass es nämlich für den Menschen eine Klasse von Handlungen gibt, die einen moralischen Charakter haben, also mit einem Anspruch an unser Wollen und Handeln verbunden sind, insofern wir sie als gut, als aufgegeben, als geboten oder als gesollt betrachten. In dem Maß, in dem wir dies auch normativ für selbstverständlich halten, impliziert die Frage, warum wir sollen, was wir sollen, – wie noch näher zu zeigen ist – bereits ihre Antwort. Gehen wir vom zweiten Teil unserer Leitfrage aus, nämlich von der jedermann geläufigen Frage, was jeweils zu tun ist, haben wir es mit der Frage zu tun, die der besondere Gegenstand der Ethik ist. Auch zu ihr gehört eine Warum-Frage. Denn verstehen wir Ethik als kritische Reflexion auf unser Handeln und damit auf die dieses Handeln leitenden Gründe, dann gehört die Frage, warum ein bestimmtes Was, d. h eine bestimmte Handlung, als moralisch gut bzw. gesollt zu betrachten ist, unvermeidlich zur Was-Frage der Ethik hinzu.

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