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Münchner Theologische ZeitschriftAnselm Eckhardt

Münchner Theologische Zeitschrift,

Anselm Eckhardt

Freiheit im Angesicht der Katastrophe

Veröffentlichung:1.5.2026

Eine Pandemie betrifft, wie bereits der Begriff sagt, alle Menschen weltweit. Seit der letzten länger andauernden Pandemie, der Spanischen Grippe, sind ungefähr 100 Jahre vergangen.

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Eine Pandemie betrifft, wie bereits der Begriff sagt, alle Menschen weltweit. Seit der letzten länger andauernden Pandemie, der Spanischen Grippe, sind ungefähr 100 Jahre vergangen. Vieles hat sich seitdem verändert. Die Industrialisierung ist fortgeschritten; mit ihr stieg die Mobilität der Menschen. Es ist ungleich mehr Menschen als früher möglich, binnen kurzer Zeit weite Reisen zu unternehmen. Und ihre Infektionskrankheiten können mit ihnen reisen. Glücklicherweise hat auch die Medizin in den letzten ungefähr 130 Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Demzufolge hat sich die Lebenserwartung der Menschen mehr als verdoppelt.1 Leben bedeutet Zeit. Durch moderne Verkehrsmittel hat sich der Raum, in dem sich Menschen und ihre Krankheiten bewegen, wesentlich erweitert. Bewegungsraum bedeutet Freiheit. Menschen erlebten in den letzten Jahren eine massive Zunahme individueller Lebenszeit und Freiheit. Zunahme an Zeit und Raum muss gestaltet werden. Angesichts einer um sich greifenden Infektionsbedrohung wurden Freiheit und damit qualitative Lebenszeit eingeschränkt. Es verwundert nicht, dass sich hieran nicht verebbende gesellschaftliche Diskussionen festmachen mussten. Seit Ende 2020 sind Impfstoffe verfügbar; die Prozeduren ihrer Entwicklung erfolgten so schnell wie nie zuvor. Ein Teil dieser Impfstoffe verdankt sich den Erkenntnissen und Verfahren der Molekulargenetik2. Zudem fußt die Entwicklung dieser Impfstoffe auf jahrzehntelanger Grundlagenforschung zur Krebstherapie. Dennoch ist die Frage des Impfens, der Impfnotwendigkeit in einer Weise strittig, dass sie gesellschaftliche Polarisierungen ausgelöst haben, die sogar in die Theologie und die Kirche hineinreichen: Kann ein Verweis auf individuelle Freiheit und die möglichen Nebenwirkungen der Impfstoffe ein ausreichend tragfähiges Argument gegen eine umfassende oder auch nur berufsspezifische Impfpflicht sein? Oder rechtfertigt der Hinweis auf das Gemeinwohl einen Eingriff in Freiheitsrechte? Ist der Einspruch gegen die Impfpflicht ein Akt der Zivilcourage; oder handelt es sich um eine Aushöhlung der Legitimationsbasis des liberalen demokratischen Staates? Aber welche Alternativoptionen stünden modernen, auf Freiheit ausgerichteten und gelingendes Leben anvisierenden Gesellschaften im Angesicht einer Infektions-Katastrophe – und nichts anderes ist diese Pandemie – sonst zur Verfügung? Allein die Zunahme individueller Mobilität auf der ganzen Welt hat bewirkt, dass es sich bei der Bekämpfung der Pandemie bzw. ihrer Eindämmung um eine Aufgabe handelt, die nur die gesamte Menschheit gemeinsam wird lösen können. Nun gibt es faktisch aber nur vier verschiedene Möglichkeiten, wie wir einer Erkrankung, die alle Menschen auf der Erde betrifft, mit den uns 1 Vgl. Rainer Radtke, Lebenserwartung in Deutschland nach Geschlecht bis 2020, https://de.statista.com/statis-

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11.5.2026

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