Der Artikel setzt sich mit der Bedeutung von Heiligkeit auseinander und verbindet persönliche Erfahrungen mit theologischen Überlegungen. Ausgangspunkt ist eine Erinnerung an die Berliner Hedwigskathedrale und das Grab des seligen Bernhard Lichtenberg. Dort wird deutlich, dass Heiligkeit häufig mit außergewöhnlichen Menschen verbunden wird, etwa mit Märtyrern oder großen Gestalten der Kirchengeschichte. Dieses Verständnis kann jedoch auch Distanz erzeugen, weil solche Vorbilder unerreichbar erscheinen.
Eine neue Perspektive eröffnet die Schrift Gaudete et exsultate von Papst Franziskus. Dort wird betont, dass Heiligkeit nicht nur etwas für außergewöhnliche Menschen ist. Vielmehr sind alle Menschen dazu berufen, in ihrem eigenen Leben Heiligkeit zu verwirklichen. Dabei geht es nicht darum, große Heilige zu kopieren, sondern den eigenen Weg zu gehen. Heiligkeit zeigt sich besonders in alltäglicher Nächstenliebe und im verantwortlichen Handeln gegenüber anderen Menschen.
Der Artikel enthält mehrere Interviews mit Persönlichkeiten aus Kirche und Kultur, die ihre persönlichen Orte der Heiligkeit in Rom beschreiben. Diese Orte sind Kirchen, Kunstwerke oder auch alltägliche Plätze in der Stadt. Sie dienen als Ausgangspunkt für Reflexionen über die Bedeutung des Heiligen.
Ein Interviewpartner beschreibt die Berufung des heiligen Matthäus in einem Gemälde von Caravaggio als besonders eindrucksvoll. Für ihn ist das Heilige das, was dem menschlichen Leben Sinn verleiht und eine besondere Achtung fordert. Heiligkeit ist unabhängig von historischen Zeiten und bleibt daher immer aktuell. Die Schwierigkeit besteht darin, das Heilige im Alltag zwischen vielen Nebensächlichkeiten zu erkennen.
Ein weiterer Gesprächspartner berichtet von einem mittelalterlichen Mosaik, das Christus zeigt, wie er zwei Menschen aus der Sklaverei befreit. Das Bild erinnert daran, dass alle Menschen vor Gott gleich sind. Gleichzeitig kritisiert er, dass die moderne Gesellschaft diese Botschaft oft nicht ausreichend verwirklicht. Für ihn bedeutet Heiligkeit vor allem Authentizität und Verantwortung gegenüber anderen Menschen.
Auch kulturelle Perspektiven kommen zur Sprache. Eine Kunsthistorikerin beschreibt eine Straße in Rom als ihren heiligen Ort. Für sie zeigt sich Heiligkeit in der Erfahrung von Geschichte, Kunst und Stille. Das Heilige wird als eine Energie oder als eine Form von geistiger Wirkung verstanden, die Menschen berührt und zum Nachdenken über das eigene Leben anregt.
Ein Priester betont die liturgische Dimension der Heiligkeit. Für ihn wird das Heilige besonders in der Eucharistie sichtbar. Gleichzeitig ist Heiligkeit auch eine Aufgabe im Alltag. Sie bedeutet, das eigene Leben in Verbindung mit Gott zu führen und sich für andere Menschen einzusetzen. Viele Menschen leben nach seiner Ansicht bereits eine verborgene Form von Heiligkeit, indem sie sich in Familie, Kirche oder Gesellschaft engagieren.
Ein weiterer Gesprächspartner weist darauf hin, dass Heiligkeit nicht nur in religiösen Räumen vorkommt. Auch alltägliche Orte können heilig sein, wenn Menschen dort versuchen, ihr Leben im Sinne Gottes zu gestalten. Heiligkeit ist ein Geschenk Gottes, das im Alltag gelebt werden muss.
Ein Bischof beschreibt schließlich die Kirche Santa Maria in Trastevere als einen besonderen Ort der Heiligkeit. Dort verbindet sich die lange Geschichte des Christentums mit aktuellem Engagement für Arme und Bedürftige. Heiligkeit bedeutet für ihn vor allem die Verbindung mit Gott und die Verantwortung für die Welt. Aus dieser Verbindung entstehen Orientierung und Maßstäbe für moralisches Handeln.
Der Artikel zeigt insgesamt, dass Heiligkeit nicht nur ein religiöser Sonderbereich ist, sondern eine grundlegende Dimension menschlichen Lebens. Sie zeigt sich in der Beziehung zu Gott, in der Suche nach Sinn und in der Verantwortung für andere Menschen. Besonders wichtig ist die Erkenntnis, dass Heiligkeit nicht nur in außergewöhnlichen Taten besteht, sondern im Alltag gelebt werden kann.