Martina Steinkühlers Artikel befasst sich mit der bibeldidaktischen Vermittlung der Apostelgeschichte für Schülerinnen und Schüler der Primar- und Sekundarstufe. Der Text zeigt zunächst auf, welche Inhalte aus der Apostelgeschichte in aktuellen Lehrplänen relevant sind – insbesondere Himmelfahrt und Pfingsten, die Urgemeinde, Apostelgeschichten zu Petrus und Paulus sowie einzelne Episoden wie die des Philippus und des äthiopischen Ministers. Die Autorin kritisiert, dass diese Inhalte oft nur als spannende Reiseerzählungen vermittelt werden, ohne ihre theologische Tiefe zu nutzen. Sie identifiziert ein zentrales Problem: Religiöse Feste verlieren an inhaltlicher Bedeutung, während Brauchtum und Konsum deren Platz einnehmen, was zu einem Relevanzverlust theologischer Lebensdeutungsangebote führt. Die Forschungen zur Kindertheologie zeigen jedoch, dass Kinder und Jugendliche bereit sind, sich auf christologische und pneumatologische Aporien einzulassen, wenn diese nicht als idealisierten Konsumstoff präsentiert werden. Steinkühler belegt dies durch empirische Beobachtungen, etwa der sechsjährigen Lea, deren Widerstand gegen Idealisierungen zeigt, dass junge Menschen eine differenzierte und realistische Auseinandersetzung mit Glaubensthemen bevorzugen. Sie argumentiert gegen sowohl verklärte Darstellungen der Vergangenheit als auch moralisierende Schwarzzeichnungen der Gegenwart und fordert stattdessen einen Unterricht, der kreative Lösungsansätze ermöglicht und zeigt, dass es auch anders sein könnte. Ein wichtiger Aspekt ist der pädagogisch verantwortliche Umgang mit Wundern und Schutzengelfunktionen, insbesondere da jüngere Kinder Zusagen wörtlich nehmen. Die Vermittlung von Petrus und Paulus erfordert einen bewussten ‚Sicherheitsabstand', um realistische Selbst- und Fremdkonzepte zu fördern, ähnlich wie Kinder mit Leitfiguren der Medienwelt umgehen. Besonders für Jugendliche in der Konfi-Arbeit, die nicht getauft sind, eröffnet die Geschichte des Philippus und des Finanzministers authentische Anknüpfungspunkte für eine selbstgewählte Glaubensentscheidung.