Der Artikel behandelt die Bibel als zentrale identitätsstiftende Schrift des Christentums, die sich aus 39 alttestamentlichen und 27 neutestamentlichen Schriften zusammensetzt, wobei katholische und orthodoxe Traditionen zusätzliche Bücher einbeziehen. Die Bibel wird als Sammlung von Traditionsliteratur verstanden, die über Jahrhunderte gewachsen ist und menschliche Erfahrungen mit Gott in historisch bedingten Worten festhält. Der Artikel betont die gemeinsame jüdisch-christliche Wurzel und die überragende Bedeutung Israels für jede christliche Bibelauslegung. Er dokumentiert den Entwicklungsprozess der historisch-kritischen Exegese, die heute in protestantischen und katholischen Traditionen gleichrangig angewandt wird. Die Bibel gilt nicht als wörtlich geoffenbart, sondern nur insofern als irrtumslos, als sie vom Heil der Welt zeugt; einzelne historische oder naturwissenschaftliche Aussagen können als zeitbedingt verstanden werden. Der Text hebt die bewusste Multiperspektivität hervor, etwa durch vier unterschiedliche Evangelien, die eine Reduktion auf ein theologisches Normensystem verhindert. Der Artikel beschreibt die Kanonhermeneutik christlicher Bibelausgaben, die das NT als Erfüllung des AT deuten, betont aber, dass dies keine zwingende Interpretation ist und jüdische Herangehensweisen ihre eigene Gültigkeit haben. Abschließend werden die vielfältigen Funktionen der Bibel im Christentum dargestellt: von der Verlesung im Gottesdienst über die Taufkatechese bis zur akademischen Theologie als Schriftauslegung.