Der Artikel erläutert, dass die orthodoxe Perspektive auf biblisches Lernen durch das dynamische Verhältnis von Schrift und Tradition geprägt ist. Die Heilige Schrift hat zwar eine herausragende Bedeutung, ist aber Teil der umfassenden göttlichen Offenbarung in der Tradition, die sich über die Konzilsbeschlüsse, Kirchenväter-Schriften, Kanones und liturgische Texte entwickelt hat. Die Kirche als vom Heiligen Geist geleiteter Organismus besitzt die Autorität zur Schriftauslegung, wobei die Kanonsbildung innerhalb der kirchlichen Tradition stattfand. Christus bildet die Mitte der Schrift und verbindet das Alte und Neue Testament durch seine Person; die typologische Auslegungsmethode deutet alttestamentliche Ereignisse als Vorbilder neutestamentlicher Wirklichkeiten. Der doxologische Zugang zur Schriftauslegung wird im Gottesdienst realisiert, wo Schriftlesungen, liturgische Hymnen und die Kirchenjahresstruktur die Heilsgeschichte vergegenwärtigen. Der Gottesdienst gilt in der orthodoxen Religionspädagogik als zentraler Lernort der religiösen Bildung. Ikonen als Teil der Tradition prägen das biblische Lernen signifikant; sie basieren auf dem Dogma der Menschwerdung Gottes und entsprechen der Heiligen Schrift, wobei ein hermeneutisches Dreieck aus Schrift, liturgischen Texten und Ikonographie ausschlaggebend ist. Die ikonographische Interpretation nutzt ebenfalls typologische Deutungen und verfolgt mit reduzierten Darstellungen das Ziel der Weitergabe der Überlieferung.