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Eulenfisch

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Ihr habt noch nicht widerstanden bis aufs Blut

Veröffentlichung:1.1.2019

Der Fachartikel „Ihr habt noch nicht widerstanden bis aufs Blut“ von Gotthard Fuchs ist im Heft ru-heute erschienen und umfasst etwa 5 Seiten. Der Artikel behandelt die theologischen Probleme des Zusammenhangs von Demut und Widerstand, insbesondere wie christliche Demut nicht Passivität bedeutet, sondern Grundlage für kreativen Widerstand gegen Gewalt, Unrecht und das Böse sein kann. Dabei werden biblische Texte, das Beispiel Jesu sowie die christliche Märtyrertradition als Ausdruck einer gewaltfreien, aber entschiedenen Widerstandshaltung interpretiert.

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Der Artikel setzt sich mit dem scheinbaren Gegensatz zwischen Demut und Widerstand auseinander. Auf den ersten Blick wirken beide Haltungen unvereinbar. Demut wird häufig mit Nachgiebigkeit, Unterwürfigkeit oder Selbstabwertung verbunden, während Widerstand Stärke, Selbstbehauptung und Konfliktbereitschaft bedeutet. Der Autor zeigt jedoch, dass diese Gegenüberstellung zu kurz greift. In der christlichen Tradition ist Demut nicht Selbsterniedrigung, sondern eine realistische Haltung des Geerdetseins und der Selbstlosigkeit. Sie ermöglicht erst die Kraft zu einem widerständigen Leben.

Der Begriff Demut wird aus dem lateinischen humilitas erklärt, das mit humus zusammenhängt und ein Auf dem Boden bleiben meint. Demut bedeutet deshalb, die Wirklichkeit anzuerkennen und sich weder selbst zu überschätzen noch abzuwerten. Diese Haltung schafft Freiheit gegenüber Macht, Erfolg und Anerkennung und ermöglicht es, sich für andere Menschen einzusetzen. Demut wird so zur Grundlage für Mut, Standhaftigkeit und Widerstand.

Zur Veranschaulichung verweist der Artikel auf das Leben des ehemaligen UNO Generalsekretärs Dag Hammarskjöld. In seinem politischen Handeln verband er Demut mit entschlossenem Einsatz für Menschenrechte und Frieden. Seine religiöse Orientierung führte zu einer Haltung selbstloser Verantwortung. Gerade weil er sich nicht selbst in den Mittelpunkt stellte, konnte er mutig und unbeirrbar handeln. Seine spirituelle Haltung machte ihn widerstandsfähig gegenüber politischen Machtinteressen.

Der Autor erweitert diese Überlegungen zu einer grundlegenden theologischen Perspektive. Widerstand gehört zum Wesen des Lebens selbst, weil alles Lebendige danach strebt zu bestehen und sich gegen das Nichts zu behaupten. In der christlichen Theologie wird dieses Bestehen als Teil der Schöpfung verstanden. Gott schafft die Welt aus Freiheit und Liebe. Dabei kann Gottes schöpferisches Handeln auf zwei Weisen verstanden werden. Einerseits als machtvolles Durchsetzen des göttlichen Willens. Andererseits als radikale Selbstzurücknahme Gottes, der Raum für die Freiheit der Welt und der Menschen schafft. Gerade diese göttliche Selbstlosigkeit wird als Form göttlicher Demut verstanden.

Im Zentrum des christlichen Widerstands steht die Person Jesu. Jesus tritt gegen Unrecht, religiösen Machtmissbrauch und soziale Ausgrenzung auf. Sein Widerstand richtet sich gegen das Böse, aber nicht mit Gewalt. Statt Gegengewalt zu üben, lebt er eine Haltung der Feindesliebe und der Gewaltlosigkeit. Das bekannte Wort aus der Bergpredigt, dem Bösen nicht zu widerstehen, bedeutet deshalb nicht Passivität. Gemeint ist vielmehr eine kreative Form des Widerstands, die Gewalt nicht mit neuer Gewalt beantwortet, sondern die Macht des Bösen durchbricht.

Diese Haltung wird in der frühen christlichen Tradition weitergeführt. Paulus betont, dass das Böse durch das Gute überwunden werden soll. Die Kreuzigung Jesu wird als Ausdruck göttlicher Liebe verstanden, die Gewalt nicht mit Gewalt beantwortet. Dadurch entsteht ein neues Verständnis von Stärke, das sich gerade in Schwäche und Hingabe zeigt.

Der christliche Glaube enthält deshalb von Anfang an eine protestierende Haltung gegenüber Unrecht. Christliche Existenz bedeutet auch, Nein zu sagen zu Strukturen der Gewalt und Unterdrückung. Diese Haltung zeigt sich besonders in der Geschichte der Märtyrerinnen und Märtyrer. Sie verweigerten die Verehrung politischer Macht und hielten an ihrem Glauben fest, selbst unter Lebensgefahr. Ihr Zeugnis wird als Ausdruck der Kraft der Auferstehung verstanden.

Gleichzeitig warnt der Autor davor, Leid oder Martyrium zu verherrlichen. Christlicher Widerstand darf nicht aus Selbstüberhöhung oder Fanatismus entstehen. Maßstab bleibt immer die Orientierung an Jesus und seinem Geist. Entscheidend ist die Unterscheidung der Geister, also die Frage, ob Handlungen wirklich dem Leben und der Liebe dienen.

Demut und Widerstand gehören deshalb zusammen. Wahre Demut führt nicht zur Anpassung, sondern zu einer Haltung der Freiheit gegenüber Macht und Gewalt. Diese Haltung ermöglicht es, für Gerechtigkeit und Frieden einzustehen. Im Licht des Osterbekenntnisses wird deutlich, dass das Böse zwar weiterhin wirksam ist, seine endgültige Macht jedoch bereits gebrochen ist. Dadurch entsteht Hoffnung, dass Frieden und Gerechtigkeit in der Welt möglich sind.

Hessen

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.4 Vom Tod zum Leben. Leiden, Kreuz und Auferstehung.

Sekundarstufe II | Q1 Jesus Christus – das menschgewordene Wort Gottes

Q1.4 Jesus nachfolgen.

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Sekundarstufe I | Jahrgangsstufe 10

10.2 Dem Zeitgeist widerstehen: Kirche und Diktatur.

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