Der Artikel von Veit-Jakobus Dieterich erschließt Leben, Werk und Wirkung des tschechischen Theologen und Universalgelehrten Johann Amos Comenius (1592–1670) in seiner ganzen Breite. Comenius, letzter Bischof der Böhmischen Brüderunität und durch den Dreißigjährigen Krieg zur lebenslangen Emigration gezwungen, verband in einzigartiger Weise Theologie, Philosophie, Politik und Pädagogik zu einem umfassenden Reformprogramm. Theologisch geprägt durch die reformatorische Tradition der Brüder – Schriftprinzip, Rechtfertigung, Trias von Glaube, Liebe und Hoffnung –, entwarf er eine trinitarisch fundierte, heilsgeschichtlich orientierte Pansophie, die Gott, Mensch und Welt in ein dynamisches Beziehungsgeflecht stellte und drei „Bücher" der Offenbarung – Heilige Schrift, Natur und Vernunft – synkritisch aufeinander bezog. Sein politisches Hauptwerk, die „Consultatio catholica", zielte auf eine umfassende, herrschaftsfreie Weltreform durch allgemeine Beratung und legte Grundlagen für Menschenrechte, Völkerverständigung und Ökumene. Als Pädagoge und Didaktiker – Autor der „Didactica magna", der „Pampaedia" und des „Orbis sensualium pictus" – forderte er Bildung für alle Menschen, beiderlei Geschlechts und jeder Herkunft, auf der Basis von Anschaulichkeit, Selbsttätigkeit, Gewaltlosigkeit und lebenslangem Lernen. In der Religionspädagogik formulierte er mit der Forderung, alles auf Gott zu beziehen, eine frühe Kompetenzdefinition, die eigene religiöse Positionierung in pluraler Offenheit anstrebte. Der Artikel betont die bleibende Aktualität des Comenius als Friedenspädagoge, Gesellschaftskritiker und Vordenker einer humanen Weltordnung, ohne seine Widersprüche zu verschweigen.