Ein Dilemma liegt vor, wenn in einer konkreten Situation mehrere Entscheidungsmöglichkeiten existieren, die jeweils sinnvoll sind, sich aber gegenseitig ausschließen. Bei einem ethischen Dilemma berühren alle Optionen Werte oder Normen, wobei jede Entscheidung gleichzeitig gegen ein anderes Gebot verstößt. Analog können religiöse Dilemmata unterschieden werden, wenn religiöse Überzeugungen zugrunde liegen. Dilemmageschichten präsentieren solche ambivalenten Situationen in ihrem narrativen Kontext, wodurch die Eigendynamik der Optionen erst deutlich wird. Der Artikel unterscheidet zwischen hypothetischen Dilemmageschichten nach Kohlberg, die unter kontrollierten Bedingungen arbeiten, authentischen Geschichten mit Lebensweltbezug und historischen Dilemmata, die reale Entscheidungssituationen darstellen. Während hypothetische Geschichten präzise sind, fördern authentische und historische Dilemmata den Lebensweltbezug und das kontextuelle Verständnis. Biblische Dilemmageschichten erfordern aktives Rekonstruieren durch die Lehrperson. Der klassische Einsatzort von Dilemmageschichten ist das ethische Lernen im Kontext von Wertepluralismus. Durch die Bearbeitung von Dilemmata trainieren Schülerinnen und Schüler ethisches Argumentieren, Perspektivenwechsel und Ambiguitätstoleranz. Der Artikel betont, dass Dilemmageschichten kompetenzorientiertes Lernen unterstützen und sich für fächerübergreifendes Arbeiten eignen. Sie können auch für biblisches Lernen, Kirchengeschichte und Theologisieren eingesetzt werden und sind altersgerecht für jede Jahrgangsstufe anpassbar.