Der Artikel analysiert das Konzept der Geschichtserzählung (Narration) im Kontext der kirchengeschichtlichen Didaktik. Zunächst werden grundlegende Begriffsdifferenzierungen vorgenommen: Narration wird als erkenntnistheoretische Perspektive verstanden, die historische Erkenntnis in Form narrativer Texte repräsentiert. Die Autorin entwickelt ein Kompetenzmodell auf Basis der fünf Dimensionen religiöser Lernprozesse mit den Stufen Wahrnehmung, Deutung/Urteil und Handlung. Auf der Wahrnehmungsebene werden Schülerinnen und Schüler durch Lehrererzählungen mit kirchengeschichtlichen Sachverhalten vertraut gemacht. Die Deutungs- und Urteilskompetenz zielt darauf, dass Lernende die Konstruktivität von Geschichtsschreibung erkennen. Die Handlungskompetenz befähigt zu eigenständiger historischer Forschung. Zentral ist die Einsicht, dass kirchenhistorische Narrationen gleichzeitig Rekonstruktionen und Konstruktionen sind: Sie beruhen auf Quellen, sind aber durch wissenschaftliche Standpunkte und Sinnstiftungsabsichten geprägt. Der Artikel betont die Revisionsoffentheit und Vorläufigkeit wissenschaftlicher Narrative als didaktisches Potenzial. Abschließend werden aktuelle Perspektiven wie Globalgeschichte und Postcolonial Studies sowie Disability History dargestellt, die eurozentrische Narrative aufbrechen und die kulturelle Gebundenheit historischen Denkens reflexiv thematisieren.