Die Friedenspädagogik nimmt in der Religionspädagogik eine untergeordnete Position ein, obwohl die Friedensthematik biblisch und theologisch fundamental verankert ist. In den 1970er und 1980er Jahren war Friedenspädagogik durch problemorientierte und politische Ansätze geprägt, die auf Friedensbewegungen und christliche Friedensethik zurückgingen. Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts verschwand dieses Thema jedoch weitgehend aus dem religionspädagogischen Diskurs. In den folgenden Jahrzehnten dominierten Symboldidaktik und ästhetische Bildung, während die Friedensfrage nur kleinräumig auf schulische Konflikte bezogen wurde. Verschiedene Autoren diagnostizieren eine Entpolitisierung und ein Schattendasein des Friedensthemas im Religionsunterricht. Gegenwärtige kriegerische Konflikte zeigen jedoch die Dringlichkeit einer religionspädagogischen Neupositionierung. Für eine fundierte Friedenspädagogik ist zunächst eine klare Bestimmung des Friedensbegriffs notwendig, da dieser zwischen religiöser und politischer Bedeutung unterschieden werden muss. Johann Galtung's Unterscheidung zwischen negativem und positivem Frieden sowie das kirchliche Konzept des gerechten Friedens bieten theologische Grundlagen. Der Religionsunterricht hat ein eigenständiges Anliegen in der Friedensfrage, das sich durch die biblisch begründete Friedensliebe und religiöse Motivation auszeichnet und sich von anderen Fachdidaktiken unterscheidet. Religionspädagogik muss dabei kirchliche Positionen und theologische Reflexion mit schulischen Anforderungen verbinden und sich kritisch mit militärischen Einsätzen und neuen Kriegsbegründungen auseinandersetzen.