Der Artikel behandelt umfassend den Begriff der Gemeinde in christlich-theologischer Perspektive. Etymologisch leitet sich Gemeinde vom deutschen Wort Gemeine ab und wurde von Martin Luther als Übersetzung für Ekklesia verwendet, während die katholische Kirche diesen Begriff lange Zeit ablehnte. Ein Wendepunkt entstand durch das Zweite Vatikanische Konzil, das Gemeinde als "Kirche am Ort" neu definierte und damit einen ökumenischen Wandel einleitete. Der Text charakterisiert Gemeinde als ein mehrschichtiges Konzept, das dogmatisch-theologische, soziologische und kirchenrechtliche Dimensionen verbindet. Als integrative Definition wird Gemeinde verstanden als strukturiertes Geschehen der Evangliumskommunikation an einem bestimmten Ort, in dem sich Kirche lokal konkretisiert und Glaubenspraxis ereignet. Theologisch wird Gemeinde als unverzichtbar für die christliche Identitätsbildung und als bevorzugter sozialer Ort der Weitergabe christlicher Sinngehalte betont. Der Artikel differenziert verschiedene Gemeindeformen wie Ortsgemeinden, Anstaltsgemeinden, Personalgemeinden und Projektgemeinden. Weiterhin werden unterschiedliche innere Kommunikationsstrukturen beschrieben: hierarchische Modelle (römisch-katholisch), monozentrische Modelle (lutherisch) und konzentrische Modelle. Im Kontext von Individualisierung und Pluralisierung entstehen zunehmend netzwerkartige Strukturen statt fester Verbände. Schließlich werden theologische Kriterien christlicher Gemeinde benannt wie der Bezug auf Christus, regelmäßige Gottesdienste und Partizipationsmöglichkeiten der Glieder.