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Eulenfisch

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Sich dem Geheimnis Gottes denkend annähern

Veröffentlichung:1.1.2020

Der Fachartikel „Sich dem Geheimnis Gottes denkend annähern“ von Gerd Neuhaus ist im Heft ru-heute erschienen und umfasst ca. fünf Seiten (S. 35–39). Der Artikel behandelt die Frage, wie sich Glaube und Vernunft im Verständnis der Trinität zueinander verhalten. Er diskutiert zentrale theologische Probleme der Trinitätslehre, etwa das Verhältnis von Gottes Geheimnis und menschlichem Denken, die Bedeutung Jesu als Offenbarung Gottes sowie die Rolle des Heiligen Geistes für eine offene und gewaltfreie Gottesbeziehung. Der Autor zeigt, dass das Nachdenken über die Trinität notwendig ist, auch wenn Gottes Wesen letztlich ein Geheimnis bleibt.

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Der Artikel setzt sich mit der Frage auseinander, ob sich der christliche Glaube an die Trinität mit vernünftigem Denken verbinden lässt oder ob er lediglich ein unverständliches Geheimnis darstellt. Ausgangspunkt ist die Kritik an theologischen Positionen, die entweder so tun, als könnten sie das innere Wesen Gottes vollständig erklären, oder die jede Form des Nachdenkens über Gott ablehnen. Der Autor betont, dass der Hinweis auf Gottes Geheimnis nicht dazu führen darf, dass Fragen und Denken eingestellt werden. Gerade in Predigt, Katechese und Religionsunterricht sei es wichtig, sich dem Geheimnis Gottes denkend anzunähern.

Der biblische Glaube enthält noch keine ausgearbeitete Trinitätslehre, legt aber ihre Grundlage. Besonders im Johannesevangelium wird deutlich, dass Jesus eine besondere Beziehung zu Gott dem Vater hat. Wenn Jesus sagt, wer ihn sieht, sehe den Vater, wird eine Einheit zwischen Jesus und Gott behauptet, die zugleich eine Unterscheidung einschließt. Dieses Verhältnis von Identität und Differenz bildet eine wichtige Grundlage für das spätere trinitarische Denken.

Zur Veranschaulichung nutzt der Autor das Beispiel eines Schauspielers. Ein Schauspieler kann sich so in eine Rolle hineinversetzen, dass er zum Medium wird, durch das eine andere Person sichtbar wird. Übertragen auf die Theologie bedeutet dies, dass die menschliche Natur Jesu zum Medium der Gegenwart Gottes wird. Der Kirchenvater Irenäus beschreibt diesen Prozess mit dem Bild des Töpfers, der Ton formt. Gott formt den Menschen Jesus so, dass in ihm der göttliche Logos sichtbar wird. Voraussetzung dafür ist eine menschliche Offenheit gegenüber Gott. Diese Offenheit zeigt sich bei Jesus darin, dass er vollkommen frei von Sünde ist und sich ganz auf Gott ausrichtet.

Das Neue Testament beschreibt Jesus als jemanden, der nicht zum Idol werden will. Im Markusevangelium verbietet Jesus häufig, seine Messianität öffentlich zu machen. Damit verhindert er, dass Menschen ihn zum Gegenstand einer religiösen Selbstbehauptung machen. Der Autor zeigt, dass religiöse Überzeugungen oft zu Ausgrenzung und Rivalität führen können. Menschen neigen dazu, ihre moralische oder religiöse Wahrheit gegen andere zu wenden. Diese Dynamik findet sich sowohl in religiösen Traditionen als auch in säkularen Ideologien.

Paulus beschreibt diese Problematik mit dem Bild vom tödlichen Buchstaben des Gesetzes. Das Problem liegt nicht im Gesetz selbst, sondern in der menschlichen Neigung, Wahrheit zur Selbstbestätigung zu benutzen und andere auszuschließen. Diese Mechanismen können zu Gewalt und Feindschaft führen.

Jesus überwindet diese Dynamik, indem er Gottes Willen nicht als äußeres Gesetz darstellt, sondern ihn in seinem eigenen Leben verkörpert. Der göttliche Logos erscheint nicht mehr nur in der Schrift, sondern in einer menschlichen Person. Dennoch besteht die Gefahr, dass auch Jesus selbst zum Idol wird. Deshalb kündigt Jesus im Johannesevangelium an, dass er gehen muss, damit der Geist Gottes kommen kann.

Der Heilige Geist wird als Paraklet beschrieben, also als Beistand und Anwalt der Angeklagten. Dieser Geist richtet sich besonders denjenigen zu, die ausgeschlossen oder verurteilt werden. Dadurch wird verhindert, dass der Glaube an Jesus erneut zu einer Abgrenzung zwischen Wir und den anderen führt. Die Sendung des Geistes erweitert die Beziehung zwischen Vater und Sohn zu einem trinitarischen Verständnis Gottes.

Das Pfingstereignis zeigt diese Wirkung des Geistes. Der Geist ermöglicht Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Sprache. Damit wirkt er der Spaltung entgegen, die in der biblischen Erzählung vom Turmbau zu Babel dargestellt wird.

Der Glaube an den dreifaltigen Gott bedeutet daher keine vollständige Einsicht in das Wesen Gottes. Vielmehr bewahrt die Trinitätslehre das Bewusstsein, dass Gott zugleich erscheint und sich entzieht. Sie verhindert sowohl eine Vereinnahmung Gottes durch menschliche Vorstellungen als auch eine völlige Abkehr vom Denken über Gott.

Theologisch bleibt die Frage offen, wie die Erscheinung Gottes als Vater, Sohn und Geist mit Gottes Wirklichkeit an sich zusammenhängt. Zwei grundlegende Denkmodelle haben sich entwickelt. Das eine versteht Vater, Sohn und Geist als verschiedene Erscheinungsweisen des einen Gottes. Dieses Modell kann jedoch die wirkliche Unterscheidung zwischen Vater und Sohn nicht ausreichend erklären. Das andere Modell versteht die drei göttlichen Personen als voneinander unterschiedene Beziehungen. Dieses Modell wahrt zwar die Unterscheidung, läuft jedoch Gefahr, drei getrennte göttliche Bewusstseine anzunehmen.

Der Autor kommt deshalb zu dem Schluss, dass das trinitarische Denken eine notwendige, aber niemals vollständig abschließbare Annäherung an das Geheimnis Gottes bleibt. Der christliche Glaube fordert dazu auf, dieses Geheimnis denkend zu bedenken, ohne zu behaupten, es vollständig erklären zu können.

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