Der Artikel von Hans Jürgen Luibl analysiert den Begriff „Held" als Reflexionsbegriff, der der Selbstverständigung von Gruppen über ihre Identität, Werte und Geschichte dient. Helden sind Personen (real oder fiktional), die in außerordentlichen Entscheidungssituationen durch Einsatz ihrer charakterlichen Fähigkeiten und Verzicht auf eigene Interessen eine Wendung zum Guten bewirken. Die Dauer solcher Wendungen entsteht durch öffentliche Kommunikation und Tradierung. Der Artikel unterscheidet Helden von Vorbildern, die im normalen Lebensverlauf Werte verkörpern, und von Stars, deren besondere Fähigkeiten für sich selbst stehen. Nach einem Rückgang im späten 20. Jahrhundert erlebt das Heldenmotiv eine Renaissance, besonders im Kontext der Coronakrise, wo Li Wenliang als globaler Held gefeiert wurde. Religionswissenschaftlich werden Heroen der griechischen Antike sowie Heilige und Märtyrer der frühen Kirche als Protohelden betrachtet; beide dienen der Integration und Stabilisierung von Gesellschaft. Gesellschaftspolitisch fungieren säkulare Heldenerzählungen wie das Nibelungenlied als Kristallisationspunkte von Identitätsbildung und Werteformulierung. Das Heldenmotiv ist fundamental ambivalent: Es kann zur Regelü