Der Artikel analysiert den Humanismus kirchengeschichtsdidaktisch und verfolgt seine Entwicklung von der Frühneuzzeit bis zur Gegenwart. Der frühneuzeitliche Humanismus entstand als bewusste Abkehr von der mittelalterlichen Scholastik und den litterae divinae und suchte in der Antike Orientierung für Bildung und Lebensweisheit. Die Humanisten wie Francesco Petrarca und Giovanni Pico della Mirandola stellten das Menschenbild in den Mittelpunkt ihrer Gedanken und verbanden es mit Gottesverehrung und gesellschaftlichem Nutzen. Der Humanismus bildete sich in Italien im Kontext der Renaissance aus und verbreitete sich durch den Buchdruck sowie humanistische Zirkel an Universitäten und Höfen im deutschen Sprachraum. Martin Luther stand dem Erfurter Humanistenkreis nahe, distanzierte sich aber in Fragen des freien Willens von den Humanisten. Der Artikel unterscheidet zwischen dem historischen Humanismus und dem modernen philosophischen Humanismus, der häufig atheistisch geprägt ist. Im 19. Jahrhundert wurde der Begriff Humanismus für Bildungsreformen verwendet, um gegen das utilitaristische Verständnis der Aufklärung die freie Entwicklung des Individuums zu betonen. Der Neuhumanismus wird im schulischen Kontext meist nicht thematisiert, verdient aber didaktische Aufmerksamkeit. Der Autor argumentiert, dass beide Humanismusbewegungen zentrale Referenzen für zeitgenössische religiöse Bildung und die Zielbestimmung konfessioneller Schulen darstellen, da sie fundamental Fragen nach dem christlichen Menschenbild und der Erkenntnisfähigkeit des Menschen stellten und immer noch stellen.