Der Artikel von Stefan Altmeyer analysiert religiöse Identität als zentrales, aber theoretisch umstrittenes Konzept der Religionspädagogik. Religiöse Identität wird definiert als anthropologischer Titel für das Resultat von wiederkehrenden menschlichen Selbst- und Fremdbeziehungen, die sich in Identifizierungspraktiken manifestieren. Die Identitätsfrage stellt sich anthropologisch als universelle menschliche Frage „Wer bin ich?", die untrennbar mit sozial-kulturellen und religiös deutbaren Beziehungen verbunden ist. Der Artikel unterscheidet zwei grundlegende Konzeptionen: essentialistische Ansätze, die Identität als Summe bestimmter Merkmale und Eigenschaften verstehen, und prozesshafte Ansätze, die Identität als stetigen Konstruktions- und Revisionsprozess begreifen. Die aktuelle Identitätsforschung favorisiert dabei eindeutig die prozesshafte Perspektive. Altmeyer arbeitet vier grundlegende Perspektiven der Identitätsfrage heraus: die Introspektion (innere Selbstsicht), die Projektion (angestrebtes Selbstbild), die Perspektivübernahme (externe Fremdwahrnehmung) und die Image-Darstellung (Selbstdarstellung für andere). Die Identitätsfrage wird zusätzlich durch eine doppelte Spannung gekennzeichnet: zum einen durch die Differenz zwischen Fremd- und Selbstwahrnehmung, zum anderen durch die Differenz zwischen Normativität und R