Interkulturelle Trainings sind üblicherweise kurzzeitige Bildungsveranstaltungen zur Förderung interkultureller Kompetenz, die außerschulische und außerberufliche Kontexte nutzen. Sie richten sich an Personen mit Auslandserfahrung oder in Berufen mit multikulturellem Kontext. Der Artikel problematisiert jedoch grundlegend die verwendeten Schlüsselbegriffe: Der Begriff "Training" suggeriert eine sportive Effizienzorientierung, die dem Anspruch kritischer Bildung widerspricht. Der Kulturbegriff wird in der Praxis inkohärent verwendet, obwohl über 150 akademische Definitionen existieren. Zentral ist die Unterscheidung zwischen nationalen Kulturstandards (wie bei Hofstede und Thomas), "high culture", "low culture" und Alltagskultur, die implizite Bedeutungsmuster in alltäglichen Interaktionen beschreibt. Die frühe Literatur fokussierte auf Nationalkultur zur Optimierung multinationaler Geschäftsabläufe, was problematisch ist, da Kultur auch innerhalb von Nationen stark variiert und nationale Zuschreibungen essentialistisch wirken können. Der Artikel argumentiert für einen kritischen, nicht-funktionalen Bildungsbegriff, der reflexive Aushandlung, Abbau von Vorurteilen und soziale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt rückt. Interreligiöse Trainings benötigen zusätzliche konzeptionelle Klärungen bezüglich der Rolle von Religiosität, Glaube und spirituellen Dimensionen.