Der Artikel von Joachim Willems analysiert die Entstehung und Entwicklung des Konzepts der interreligiösen Kompetenz in der deutschsprachigen Religionspädagogik. Das Konzept entstand in den 2010er Jahren als Reaktion auf die religiöse Pluralisierung Deutschlands und Europas durch Migrationsbewegungen sowie auf Globalisierungsprozesse. Der Begriff verbindet zwei Diskurse: den Begriff "interreligiös" aus der Religionspädagogik und den Begriff "Kompetenz" aus der Kompetenzdiskussion, die durch Schulvergleichsstudien wie PISA geprägt wurde. Die Klieme-Expertise definiert Kompetenz als verfügbare oder erlernbare Fähigkeiten zur Problemlösung mit entsprechenden motivationalen und sozialen Bereitschaften. In der Fachdiskussion werden verschiedene Ansätze zur Definition interreligiöser Kompetenz vertreten: Schambeck definiert sie weit als Fähigkeit, eine verantwortete Position zu Religion vor dem Hintergrund religiöser Pluralität auszubilden, während Willems sie enger als Kompetenz im Umgang mit interreligiösen Überschneidungssituationen versteht. Die Fachliteratur ist sich einig, dass interreligiöses Lernen fünf Komponenten umfassen sollte: Klärung der eigenen Position, Erwerb religionskundlicher Kenntnisse, Entwicklung hermeneutischer Fähigkeiten, konkreter Umgang mit Angehörigen anderer Religionen und Entwicklung von Toleranz und Empathie. Leimgruber unterscheidet verschiedene Teilkompetenzen wie ästhetische, inhaltliche und Kommunikationskompetenz. Schambeck entwickelt ein Modell mit drei Kompetenzbereichen: ästhetische, hermeneutisch-reflexive und praktische Kompetenz. Willems differenziert zwischen einem Komponenten-Modell für Unterrichtsplanung und einem für empirische Testung von Kompetenz und identifiziert Deutungskompetenz, Partizipationskompetenz und relevante Kenntnisse als zentrale Komponenten.