Der vorliegende Artikel des WiReLex argumentiert für die Notwendigkeit, den Investiturstreit im Religionsunterricht zu behandeln, obwohl diese historische Thematik auf den ersten Blick als antiquiert erscheinen mag. Der Autor betont, dass das Verständnis dieses Konfliktes zwischen dem Papsttum und dem Königtum unerlässlich ist, um zentrale Entwicklungslinien im Verhältnis von Kirche und Staat sowie innerkirchliche Reformprozesse zu verstehen. Die ideengeschichtlichen Grundlagen des Investiturstreits werden in der Cluniazensischen und Gregorianischen Reform verortet, die unter Papst Gregor VII. das Programm der "Freiheit der Kirche" (libertas ecclesiae) verfolgten. Kern des Konfliktes war die Frage der Laieninvestitur: Ob weltliche Herrscher das Recht haben, Geistliche in ihre Ämter einzusetzen. Die historischen Ursachen reichen bis in die karolingische Zeit zurück und beruhen auf der grundsätzlichen Machtbalance zwischen geistlicher und weltlicher Gewalt. König Heinrich IV., der durch eine Fürstenentführung 1062 traumatisiert wurde, strebte danach, königliche Rechte zurückzugewinnen, was zwangsläufig zu Konflikten mit dem erstarkten Papsttum führte. Der offene Konflikt brach 1076 aus, als Heinrich IV. die Reichssynode von Worms Gregor VII. absetzen ließ. Gregor VII. antwortete mit Exkommunikation und Absetzung des Königs, woraufhin Heinrich IV. seine Unterstützer verlor. Das Wormser Konkordat von 1122 regelte schließlich das Verhältnis von regnum und sacerdotium und beeinflusste die deutsch-österreichische Geschichte bis in die Neuzeit. Der Artikel hebt zudem hervor, dass der Gang Heinrichs IV. nach Canossa (1077) in der Neuzeit politisch missbraucht wurde, besonders durch Bismarcks Kulturkampf-Rede von 1872. Dies macht deutlich, dass Schülerinnen und Schüler lernen sollten, solche geschichtspolitischen Instrumentalisierungen kritisch zu dekonstruieren.