Der Artikel von Hanna Roose befasst sich mit der didaktischen Vermittlung von Jesus Christus in der Grundschule und analysiert zentrale pädagogische Herausforderungen. Zunächst wird die häufige Kinderfrage "Ist die Geschichte echt?" diskutiert, die auf das Spannungsverhältnis zwischen historischer Faktizität und theologischer Wahrheit verweist. Der Artikel unterscheidet systematisch zwischen zwei Frageebenen: der Frage nach historischen Ereignissen hinter den biblischen Texten und der Frage nach den theologischen Glaubensdeutungen in den Texten selbst. Eine zentrale Problematik liegt in der verbreiteten "Patchwork-Technik" im Grundschulunterricht, die einzelne Bausteine aus verschiedenen Evangelien kombiniert und zu einem künstlich einheitlichen "Jesus-Mosaik" zusammensetzt. Dies hat den Nachteil, dass die unterschiedlichen christologischen Konzeptionen der vier Evangelisten eingeebnet werden und biblische Texte als bloße Tatsachenberichte missinterpretiert werden können. Der Artikel argumentiert hingegen für eine Didaktik der Mehrperspektivität, die Grundschulkindern die verschiedenen biblischen Traditionen als unterschiedliche Glaubensdeutungen vermittelt. Empirische Studien von Büttner und Dieterich zeigen, dass Kinder bereits ab der ersten Klasse fähig sind, christologisch zu denken, und dass sich ihr christologisches Denken entwickelt, ohne dabei notwendigerweise vom Menschen Jesus zum Christus-Glauben fortschreiten zu müssen. Mirjam Zimmermann betont in ihrer Forschung, dass Kinder nicht vorrangig an konkreten Details von Ereignissen interessiert sind, sondern an theologischen Warum-Fragen. Der Artikel plädiert dafür, dass Grundschulkinder bereits mit unterschiedlichen christologischen Entwürfen bekannt gemacht werden sollten und dass eine persönliche theologische Auseinandersetzung an die Erkundung biblischer Christologien anschließen kann.