Der Artikel bietet eine ekklesiologische Analyse von Kirche für religionspädagogische Kontexte. Kirche wird gegenwärtig vor allem unter Vorzeichen von Krise, Missbrauch und Austritt verhandelt, erscheint Schülern aber oft lebensfern. Der Artikel zeichnet die biblische und theologiegeschichtliche Entwicklung des Kirchenverständnisses nach: von der nachexilischen Gemeinde als Modell der gottesdienstlichen Versammlung (ekklesia) über die neutestamentliche Gemeindebildung nach Jesu Auferstehung bis zur paulinischen Leib-Christi-Ekklesiologie mit ihren Spannungen zwischen Idealgestalt und empirischer Realität. Die altkirchliche Bekenntnistradition hat Kirche als von Gott gewirkte Heiligengemeinschaft mit den vier Wesensmerkmalen (eine, heilig, katholisch, apostolisch) definiert. Diese Spannung zwischen theologischem Ideal und kontroversen Realisierungen prägt die konfessionelle Ekklesiologie bis heute. Das Zweite Vatikanische Konzil markiert einen Paradigmenwechsel in der katholischen Ekklesiologie von hierarchischen zu Communio-Modellen. Die Reformation betont dagegen die Kirche als creatura verbi und die Unterscheidung zwischen sichtbarer und verborgener Kirche. Für den Religionsunterricht wird argumentiert, dass Kirche als Ort religiöser Identitätsbildung und Gemeinschaftspraxis vermittelt werden muss, wobei konfessionelle Unterschiede anerkannt bleiben.