Der Artikel behandelt das katholische Kirchenjahr als theologisches und liturgisches Konzept, das die Feier der Heilswerke Jesu Christi im Rhythmus eines Jahres strukturiert. Die Autorin Birgit Jeggle-Merz erläutert, dass heilige Zeiten sich durch ihren Gegensatz zur profanen Alltageszeit auszeichnen und eine heilende Dimension besitzen. Das Kirchenjahr als Gesamtheit liturgischer Feste entstand erst im 13./14. Jahrhundert als Differenzierung zwischen kirchlicher und weltlicher Zeitordnung. Grundlage ist die Liturgiekonstitution "Sacrosantum Concilium" des Zweiten Vatikanischen Konzils, die das Kirchenjahr theologisch als Gedächtnis von Christi Tod und Auferstehung bestimmt. Central für katholisches Verständnis ist die Unterscheidung zwischen bloßem Erinnern und liturgischem Gedenken als Vergegenwärtigung des Heilshandelns: Die Heilstaten Gottes werden nicht nur erinnert, sondern sind im Feiern präsent und ermöglichen den Gläubigen zeitgenössische Teilhabe am Heil. Dies wird unter dem Begriff "Feier des Pascha-Mysteriums" gefasst, welches das ganze Heilshandeln Gottes von der Schöpfung bis zur erwarteten Wiederkunft Christi umfasst. Alle Feste des Kirchenjahres sind daher letztlich Osterfeste, die das Heilsmysterium unter unterschiedlichen Blickwinkeln feiern. Die Grundordnung entfaltet das Kirchenjahr in sieben Perioden: die drei österlichen Tage, die Osterzeit, die österliche Bußzeit, die Weihnachtszeit, der Advent, die Zeit im Jahreskreis und die Bitt- und Quatembertage. Der Sonntag als Urfeiertag der Kirche und das Osterfest als Höhepunkt bilden das Fundament und den Kern des Kirchenjahres.