Der Artikel analysiert den praktisch-theologischen Leitbegriff „Kommunikation des Evangeliums", der in der deutschsprachigen evangelischen und katholischen Theologie zur Bestimmung des Gegenstandes der Praktischen Theologie dient. Historisch lässt sich die Begriffsbildung auf drei zentrale Entwicklungslinien zurückführen: erstens die Kritik an der Wort-Gottes-Theologie durch hörerorientierte Prediger wie Hans-Otto Wölber in den 1950er Jahren, die eine dialogische Predigtkonzeption forderten; zweitens die bahnbrechende Verwendung des Begriffs durch Hendrik Kraemer, der die kirchliche Kommunikationsaufgabe betonte und sie durch die Kategorien Kerygma, Diakonia und Koinonia ausdifferenzierte; drittens die paradigmatische Neuausrichtung durch Ernst Lange, der die Sonderstellung aufgab und Kommunikation des Evangeliums als grundlegend dialogischen Prozess verstand, der alle Funktionen der Gemeinde umfasst. Der Artikel präsentiert dann fünf wichtige theoretische Zugänge aus verschiedenen Disziplinen: das Kommunikationsquadrat von Schulz von Thun mit seinen vier Nachrichtenebenen, die semiotische Differenzierung verschiedener Sprachen und Codes, soziolinguistische Erkenntnisse über restringierte und elaborierte Codes, systemtheoretische Analysen der Kommunikation und Habermas' Unterscheidung von instr