Der Artikel von Heike Lindner analysiert die historische Entwicklung der Lehrerbildung in Deutschland von der Reformationszeit bis zur Moderne. Während Lehrkräfte bis etwa 1800 ohne formale Ausbildung tätig waren, begannen sich ab dieser Zeit an Universitäten und Seminaren strukturierte Ausbildungsprogramme zu etablieren. Martin Luther und Philipp Melanchthon spielten eine zentrale Rolle durch ihre Bildungsschriften, insbesondere Luthers Text von 1524 zur Einrichtung christlicher Schulen, in denen sie Bildung mit religiöser Grundhaltung verbanden und die Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rhetorik betonten. Johann Amos Comenius prägte mit seiner Pampaedia von 1657 die systematische Didaktik und verband Bildung, Sittlichkeit und Religiosität. Die preußischen Reformen des 19. Jahrhunderts, besonders das Edikt von 1810 unter Wilhelm von Humboldt und die Einführung des Referendariats sowie der zweiten pädagogischen Prüfung 1890, prägen die Lehrerbildung bis heute. Der Artikel zeigt, dass Veränderungen in Lehrerbildungsprogrammen oft durch bildungspolitische Reformen ausgelöst werden, wie etwa durch den PISA-Schock zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Als wesentliche Qualitätsmerkmale der Lehrerbildung werden Fachwissenschaftsinteresse, curriculare Vernetzung, Standards, fachliche Qualifikation und Praxisnähe identifiziert, die nachweislich zu besseren Schülerleistungen führen. Insgesamt wird deutlich, dass die Lehrerbildung ein dynamisches System ist, das von historischen Wurzeln bis zu gegenwärtigen Steuerungsprozessen kontinuierlich weiterentwickelt wird.