Maria von Magdala nimmt in den vier kanonischen Evangelien eine herausragende Stellung ein, wird zwölfmal erwähnt und häufiger genannt als manche Jünger. Die Bezeichnung nach ihrem Herkunftsort Magdala weist auf ihre Unabhängigkeit hin, was für antike Fraenverhältnisse ungewöhnlich war. In synoptischen Evangelien wird sie als erste in einer Reihe von Frauen erwähnt, die Jesus nachgefolgt sind und sich durch Nachfolge und Dienst auszeichnen; ohne das Wort Jüngerinnen zu verwenden, werden sie damit implizit als solche charakterisiert. Maria von Magdala ist die einzige Konstante in allen vier Grabeserzählungen und wird übereinstimmend als erste Zeugin und erste Botin des Osterevangeliums dargestellt. Dies ist historisch bedeutsam, da Frauen in der antiken Rechtskultur nicht als Zeuginnen zugelassen waren; die tendenzwidrig erhobene Stimme Marias spricht für ihre Historizität. Johannes stellt ihre Begegnung mit dem Auferstandenen (Joh 20,11-18) als Beziehungsgeschichte dar, in der sie Jesus erkennt und ihren Apostolatsauftrag erhält. Während die apokryphen Texte und Kirchenväter Maria als apostolische Autorität („apostola apostolorum") verehrten, wurde sie in der westlichen Rezeptionsgeschichte seit Gregor dem Großen mit anderen biblischen Frau