Der Artikel behandelt Medizinethik als wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der Frage "Wie soll ich handeln?" im Kontext medizinischer Probleme auseinandersetzt. Nach einer historischen Einordnung werden drei Hauptmodelle ethischen Argumentierens dargestellt: Deontologische Ansätze orientieren sich an obersten Moralprinzipien und Pflichten (Kant), konsequenzialistische Ansätze bewerten Handlungen nach ihren Folgen, besonders im Utilitarismus, und tugendethische Ansätze fördern Charakterbildung durch Tugenden wie Klugheit und Gerechtigkeit. Da sich in der Medizinethik kein einzelner theoretischer Ansatz durchsetzen konnte, hat sich die Prinzipienethik nach Beauchamp und Childress mit ihren vier Prinzipien – Autonomie, Nichtschaden, Wohltun und Gerechtigkeit – als pragmatischer Konsens etabliert. Alternative Methoden wie narrative Medizinethik, Fürsorgeethik und kasuistische Ethik ergänzen diese Perspektiven. Das gewählte Menschenbild – ob souveräner Kunde, vulnerables Wesen oder Ebenbild Gottes – bestimmt den ethischen Zugang entscheidend. Der Artikel hebt hervor, dass Krankheit und Heilung historisch im Verantwortungsbereich der Religion lagen und dass christliche Perspektiven Medizin als Liebeskunst verstehen, ohne medizinische Erlösungsversprechungen zu überschätzen. Ein zentrales Thema ist die kontroverse Frage nach dem Status des Embryos, die zeigt, wie verschiedene Grenzlinien zur Bestimmung der Menschenwürde führen.